»Der höchste Traum. Und die schwerste Erfüllung.«
Er hob die Augen bescheiden zu ihr.
»Aber man soll doch nicht gleich anfangs verzagen, nicht wahr? Ich fühle so bestimmt: ich könnte mich dazu durchringen, wenn man mich nicht so ganz in die Familie einengen wollte. Ein Künstler und jeder, der es werden will, braucht Freiheit.«
Marianne nickte.
»Mehr als Freiheit: Heimat,« sagte sie unwillkürlich.
Hugo Lanz sah sie fragend und wie erwartend an. Ihre Art und Weise nahm ihn leise gefangen.
»Ich meine,« versuchte Marianne zu erklären, »niemand braucht so sehr als er breitesten Spielraum, weil alle seine Bewegungen unberechenbarer, unbezwingbarer sind, als die irgend welcher andern Entwicklung. Aber in seiner angebornen Sensitivität, in seiner fast hilflosen Eindrucksfähigkeit hat er zugleich, wie niemand anders, Furcht vor der Fremde. Seine Freiheit mag sich noch so breit strecken wollen, aber an den äußersten Grenzen seiner Freiheit, da muß er Heimat um sich fühlen, — eine Welt, der er vertraut.«
Aus dem Klang ihrer Stimme vibrierte etwas, als wenn sie jedes ihrer Worte aus tiefen, warmen Glückserfahrungen hebe. Weniger in den Worten selbst, als in diesem Stimmklang lag etwas Suggestives, was Hugo Lanz ergriff.
»Das ist so nur in einem Paradies!« rief er. — »In Wirklichkeit gibt es das nicht,« setzte er traurig hinzu.