»Nicht notwendig Schwäche. — — Schwere Aehren stehn auch nicht kerzengrade,« sagte sie.
Aber in ihrem Innern empfand sie bei Citas Worten einen heimlichen Stich. Cita, ihr tüchtiges, kernfestes Mädchen! Sie konnte ihr vertrauen und mit ihr reden über alle Sorgen und Nöte, fast wie mit einem klugen Freunde, ja fast wie mit einem Mann —.
Ja, das alles konnte sie. Aber — den Kopf noch einmal anschmiegungsbedürftig in Mas Schoß wühlen, das würde Cita doch wohl nie mehr —.
Sophie hatte sich ans Fenster gestellt. Sie sah Hugo Lanz, der aus dem Hause herausgetreten war, unten über den Fahrdamm gehn. Er sah schlank und fein aus in der dunkeln Pelzmütze und trotz des Pelzes, der alle Konturen vermischte. Eigentlich gefiel er ihr doch sehr gut, viel besser, als sie es Citas Spottlust einzugestehn wagte.
Jetzt äußerte sie aber doch:
»Du, — den mag ich trotzdem gern. Warum soll er auch Ma nicht angucken, wie er will? — — Ich habe mich mit ihm schon prachtvoll unterhalten, neulich in der Gesellschaft, ehe du hier warst, Cita. Ich erzählte ihm von den höhern Mädchenkursen, und dann, daß mich die Naturwissenschaften so sehr interessieren, — daß ich aber noch weit lieber ein Arzt würde, — grade wie Doktor Tomasow.«
»Aber das alles sind ja dem jungen Dichter völlig gleichgültige Beschäftigungen, Sophie,« meinte Cita und trug die Tassen der Mutter hinaus.
»Die Beschäftigungen an sich: ja!« gab Sophie kleinlaut zu und schaute noch immer angestrengt einem dunkeln Punkt in weiter Entfernung — einer Pelzmütze — nach, obschon sie nicht mehr ganz sicher war, ob es nicht längst eine andre Mütze auf dem Kopfe eines andern sei. »Aber,« fuhr sie eifrig fort, »auf die Art der Beschäftigung kommt es auch nicht an, sondern darauf, daß er auch hinausstrebt, — fort, hinaus! Mit dem einzigen Unterschied, daß er das infolge von Gedichten thut. Das schadet aber doch nichts. Die Hauptsache haben wir doch gemeinsam. Auch ihm ist eng, auch er hat allerlei Träume, die er kaum zu Hause zu nennen wagt, — auch seine Pläne lassen sich nun einmal nicht zu Hause verwirklichen. Und seine Familie, — die hält ihn. Wie sollten wir da nicht sympathisieren?! Wie sehr kann ich ihm doch das alles nachfüh—.«
Sie stockte jäh.
Die Nase an die Scheibe gedrückt, hatte sie ganz vergessen, wo sie sich eigentlich befand. Ihr ward plötzlich erst bewußt, was sie da sagte.