Cita konnte es überhaupt nicht mehr hören, die war ja eben mit den beiden Tassen hinausgegangen.
Aber da, im Luthersessel vor dem Schreibtisch, mit dem Gesicht grade zum Fenster, da saß, Sophie im Rücken, ganz schweigsam — Ma —
Einen Augenblick lang, einen Augenblick nur, war ihr Ma wirklich ganz und gar aus dem Gedächtnis entschwunden gewesen.
Wohl eine volle Minute stand Sophie wie erstarrt. Sie bekam ein Gefühl, als wär es noch besser, sich mit ihrer kleinen Nase ganz durch das Fensterglas durchzubohren, um nie, nie wieder die Augen zurückwenden zu müssen.
Ihr Herz schlug heftig, sprunghaft, die Lippen wurden ihr trocken. »Arme, süße, liebe Ma!« dachte sie außer sich, voller Wut.
Plötzlich drehte sich Sophie gewaltsam um, zu ihrem eignen Schreck. Sie sah das Zimmer vor sich wie im Nebel. Sie lief auf die Mutter zu, fiel vor ihr auf die Kniee und umhalste sie wortlos, stürmisch.
»Ach Ma, — dummes Zeug — solch dummes, — ich benutzte unwillkürlich seine Worte, — weißt du: einfach seine Worte — sie passen ja auch einzig und allein für ihn, alle, alle diese Worte!« stammelte sie endlich, ganz in Thränen, und dann lachte sie fast ein wenig, verlegen und sonderbar.
Marianne herzte sie ganz leise.
»Aber — du wildes Mädchen, — wie kann man sich dermaßen erregen! Viel zu leicht erregt bist du, weißt du das? Du mußt dich besser zusammennehmen. — Komm, sei nun wieder ruhig und mein liebes altes heitres Kind, — ja?«
Sophie hob den Kopf. Bei diesen sanften Worten verflog langsam ihr Schreck, sänftigte sich auch ihre Reue. — Vielleicht hatte Ma gar nicht so genau hingehört vorhin — —.