Indessen Inotschka antwortete noch nicht gleich, sie bückte sich nur tiefer über die Brüstung, und erst als sie nicht mehr wissen konnte, ob ihre Worte von unten her noch vernehmbar wären, rief sie zaghaft, mit gedämpfter Stimme, und ganz hastig hinunter: »Gute Nacht! Gute Nacht! Ich muß dir doch noch schnell sagen, daß ich dich ganz schrecklich lieb habe, und daß du mich fortnehmen sollst zu dir, und daß ich immer bei dir sein will und nirgends sonst. Und daß du mich nicht so stehn lassen sollst — nicht so allein —.«

Sie brach ab. Schon während der ersten Worte schloß der Portier unten geräuschvoll die Hausthür auf, die dann mit einem mächtigen Knall zuklappte.

Im Treppenhause wurde es plötzlich so beängstigend still.

»Sie hat nichts gehört, — gar nichts hat sie gehört. Das ist mal gut. Unsinn, — wozu auch!« sagte Inotschka wesentlich lauter als vorhin.

Aber obwohl sie es gut fand, daß Marianne nichts mehr vernommen hatte, verfinsterte sich ihr schmales Gesichtchen mit dem weichen Munde. Sie drückte die Zähne auf die Lippen und rieb sich mit blinzelnden Augen, um nicht loszuweinen, am Geländer, bis die Stimme der Mutter von drinnen in erstauntem Ton nach ihr rief.

III.

Seit zehn Uhr waren die jungen Mädchen von ihrer Schlittenfahrt im Sternschein zurück.

Cita saß schon eine Weile auf dem Rande ihres weißlackierten Eisenbettes und zog sich bedächtig die Strümpfe von den hübschen Füßen.

Sophie ging noch unausgekleidet umher, sie machte sich bei ihren Büchern zu schaffen, die sie auf ihrem Tisch am Fenster aufzustapeln pflegte, und etliche von ihnen trug sie ins Wohnzimmer auf den Schreibtisch der Mutter hinüber.