Dabei sprach sie kein Wort. Sie war schon den ganzen Abend gegen ihre Gewohnheit still gewesen und behielt auch jetzt die Miene einer düster Versonnenen.

Cita legte gähnend ihre Strümpfe auf den Stuhl am Bett.

»Schlittenfahren ist ganz schön,« entschied sie, »aber dies gesellige Vergnügtsein von Männlein und Weiblein, die nichts Besseres zu thun wissen, — wie bin ich froh, daß ich mich davon gründlich entwöhnt habe! Kindisch ist es einfach. Es gibt doch wahrhaftig ernstere Aufgaben in der Welt.«

»Meinetwegen kann es auch aufhören,« versetzte Sophie apathisch, mit einer bekümmerten kleinen Stimme, »und auch das Schlittenfahren, und überhaupt alles.«

Sie kam eben wieder aus dem Wohnzimmer zurück. Cita fragte gar nicht, was sie dort eigentlich treibe, sie wußte gar nicht, daß Sophie soeben ihre Studienbücher und Lieblingswerke auf Mas Schreibtisch aufgeschichtet hatte, wie man sündhafte Kostbarkeiten auf einen Scheiterhaufen trägt.

Sie wollte Ma so gern nach der heutigen Kränkung ihre rückhaltlose Ergebenheit beweisen. So gern ihr zeigen: »Siehst du, ich entsage allem, was mich von hier fort zu locken anfing! Schließe es für immer vor mir zu.«

Aber Cita brauchte das einstweilen noch nicht zu wissen. Denn Sophie fürchtete sich entsetzlich davor, ihr eignes Thun klar und endgültig aussprechen zu hören.

Sonst hätte sie es noch am liebsten heute abend Hugo Lanz anvertraut. Ja, dem am ehesten! Sie meinte: wenn er zum Beispiel, davon erschüttert, nun auch seinerseits alle ehrgeizigen Pläne fahren ließe, dann hätten sie gemeinsam trauern, sich gemeinsam trösten und ermannen können.

Er würde dann kein Dichter werden, sondern ein Kaufmann, und sie kein Arzt, sondern — sondern vielleicht irgend wann einmal die Frau eines Arztes, Dichters oder Kaufmanns in der Welt.

»Geh doch endlich schlafen!« rief Cita in ihre schwermütigen Betrachtungen hinein. Sie selbst lag bereits im Bett, grade auf dem Rücken ausgestreckt, die Arme über dem Kopf verschränkt.