Sophie setzte sich zu ihr auf die Bettkante.

»Glaubst du, daß es glückliche Ehen gibt?« fragte sie langsam und ernst.

Cita gähnte gleichmütig.

»Ja,« versetzte sie nach kurzer Ueberlegung, »aber entschieden nur unter den Frauen, die sich unsrer Frauenbewegung anschließen. Das ist sonnenklar: denn die setzen sich in den Stand, sich selbst zu versorgen, den Mann nicht zu brauchen. Also kann es die schlimmste Eheschließung überhaupt nicht mehr geben: nämlich die wegen Geld und ohne Liebe. Dafür sind andre, schönere nun erst möglich, —«

»Zum Beispiel sogar ohne Geld und mit Liebe!« fiel Sophie hoffnungsvoll ein. Wie schön war das eigentlich! Aber davon schloß sie sich auch aus, wenn sie nicht Arzt wurde, — kein selbständiger, erwerbender Berufsmensch.

Cita sagte plötzlich leise: »An die ganze Heiraterei mag ich aber einstweilen weniger als je denken. — — Weißt du, es hat etwas so Schreckliches: man ist keines Menschen sicher, — jedem kann noch einfallen, das Verrückte zu thun und zu heiraten. — — Stell dir zum Beispiel vor, daß unsre Ma — —«

Sophie stellte es sich nicht vor. Sie schüttelte den Kopf und lachte.

»Schäm dich,« sagte sie kurz.

Cita richtete sich im Bett auf. Ihre dunkeln Augen hefteten sich erregt und finster auf die Schwester.

»Nein, nein, glaube mir! Ich behaupte nur, daß so etwas möglich ist, — nichts weiter. Aber möglich ist es. Es ist möglich, es ist möglich.«