»Kreuzfidel? Nein, ihr junges Volk, das bin ich gar nicht. Ich muß mich nur beeilen, die Augen aufzureißen, ich habe viel nachzuholen. Wie lange dauert es, dann heißt es: Mund zu und Erde auf die Augen. — — Nun, hoffentlich dauert es noch ein Weilchen,« ergänzte sie.

»Nachholen? Ja, — aber — die behaarte Riesin —?«

»Nun, wenn auch nur eine Riesin. Was meinen Sie denn, ob bei uns dahinten auf dem Gut auch nur so eine gewesen wäre?! Nein, keine Spur! Das wäre ja Sensation genug für lange hinaus gewesen. — Natürlich gibt es auch noch was Besseres als das. Natürlich. Man muß aber zufrieden sein, wie es sich trifft; die besseren Treffer kommen auch noch.«

Sie konnte es den jungen Mädchen gut anmerken, daß sie nicht mehr recht wußten, ob sie sich selbst ironisiere, oder ob sie von ihr zum Narren gemacht würden. Wera Petrowna gefiel das ausnehmend; sie betrachtete aus ihren klugen Augen die beiden Schwestern mit Wohlgefallen.

»Ja, ja, wenn ich auch noch so jung wäre. Herr du mein Gott!« sagte sie und schob den Teller zurück.

»Dann würden Sie sich ohne Zweifel noch weit besser und viel mehr amüsieren, nicht wahr?« äußerte Cita und zuckte bedauernd die Achseln. »Nun sehen Sie, daran liegt uns trotz aller Jugend gar nichts.«

»Nein, meine lieben dummen Unschuldstäubchen, — ich würde ins Kloster gehen, ja, das würde ich!« behauptete die Alte, und ihr ganzes Gesicht lächelte fein und spitzbübisch aus allen seinen Fältchen. »Ja, davon habt ihr noch keinen Begriff,« fuhr sie auf der Mädchen erstaunten Blicke fort und nickte ihnen zu, »so eine Jugend, die geht ins Zeug! Nun, wohl bekomm's! Prosit Mahlzeit also!«

Sie stand auf, noch ehe Marianne, die geduldig dasaß und wartete, das Zeichen dazu gegeben hatte.

Marianne wollte ja mit ihr noch allerhand Weihnachtsbesorgungen besprechen. Und so viel sah sie recht wohl mit ihren beiden guten Augen: daß ihre liebe Marinka auch heute ein bedrücktes Herz haben mochte. Aus irgend einem Grunde, gleichviel aus welchem. Jedenfalls schienen heute selbst die Kinder dagegen machtlos zu sein, deren Geplauder die Mutter sonst heiter zu stimmen pflegte.

Ihr schien, daß sich Marianne nach Ruhe sehne, — vielleicht nach einem Alleinsein, das die jungen Mädchen grade in ihrer zärtlichen Sorge vereitelten.