Nach dem Gottesdienst brauchte sie nur noch um zwölf Uhr den Frühstückstisch zu richten und den Samowar aufzustellen.
Kurz vorher erschien Wera Petrowna zur festgesetzten Stunde.
Sie hatte ein altmodisches und durch langen Gebrauch reichlich leuchtend gewordenes schwarzes Seidenkleid angezogen und trug auf dem Kopf eine komplizierte Haube mit lila Tolle, die sich im wattierten Kapottehut auf keine Weise unterbringen ließ, und die sie daher stets in einem besondern Beutel mit sich führte.
»Um ein Haar wär ich nicht gekommen, ich sollte nämlich heute vormittag in das Dawydowkonzert,« erklärte sie, als sie sich zu Tisch setzten. »Das Billet war noch nicht da, ich wartete drauf bis halb zwölf, es kam jedoch nicht. Es sollte nämlich nur dann kommen, wenn die Frau meines Neffen, die sich gestern abend schon unwohl fühlte, über Nacht krank würde. Sie ist aber nicht krank geworden.«
Sophie mußte lachen.
»Dafür ist es freilich kein Ersatz, wenn wir Ihnen später etwas vorspielen und vorsingen wollen,« meinte sie und legte Wera Petrowna von den kleinen Pasteten mit gehacktem Fleisch und Kohl vor.
»Nein, meine liebe, schöne, kleine Sophie. Auch muß ich später ohnehin fortgehn, denn ich habe noch andre Billete. Die habe ich mir eben geholt. Später drängen sich die Menschen so an der Kasse. Es ist weit besser, man ist versorgt.«
»Wohin denn?« fragte Cita ohne Neugier. Sie kannte die Ausgehewut und Belustigungssucht der Alten.
»Diesmal nur zur behaarten Riesin und zum zweiköpfigen Kind,« sagte Wera Petrowna gelassen und nahm sich Citrone zum Thee.
»Sie sind doch immer kreuzfidel, — aber wirklich immer!« bemerkte Cita nachsichtig.