Dann löschte sie die Kerze aus.
Unerwartet, dicht, ohne den kleinsten Lichtfleck von draußen, den die zugezogenen Vorhänge am Fenster aussperrten, umhüllte sie das Dunkel wie eine Gruft.
Sie stürzte vor dem Bett in die Kniee und verbarg ihren Kopf in den Kissen —.
Dieser Sonntag war kein Sonntag zum Ausschlafen gewesen. Sowohl Marianne als die Kinder erschienen am Morgen übernächtig und mit übermüdeten Augen.
Keines von ihnen dreien wußte indessen etwas von dem eigentlichen Grunde der Traurigkeit in der Seele des andern. Cita schwieg, ihr war wunderlich weich, als ob ihr allerlei nächtliche Träume nachgingen, aber auch ihre Befürchtungen waren noch in ihr und stimmten sie reizbar, obgleich sie sichs auszureden suchte.
Marianne bemühte sich, vor den Augen der Kinder wohlgemut zu erscheinen. Als Sophie hereinkam, sagte sie freundlich: »Ich sehe, du hast gestern meinen Schreibtisch für deine Beschäftigungen auserkoren. Das ist recht so, ich gebrauche ihn jetzt in der Weihnachtszeit ja nicht. Und Cita wird vielleicht etwas stark Anspruch an den deinigen machen.«
Sophie errötete lebhaft, ohne zu antworten. Sie wußte nur noch dunkel, auf welche Weise sie gestern schließlich zu Bett gekommen war. Und es kam ihr im nüchternen Morgenlicht unmöglich vor, der Mutter die großen Eröffnungen zu machen. Jedenfalls lag es an der Nacht, daß diese Dinge ihr wesentlich leichter und natürlicher erschienen waren.
Das Dienstmädchen Stanjka, das sich zum Kirchgang rüstete, war die einzige, die sonntäglich und unbeschwert zwischen ihnen herumging. Sie trug ein neues grellrot gemustertes Kattuntuch um den Hals und hatte ihr aschblondes Haar mit Kwas glänzend gemacht; der Sonntag gehörte ihr fast immer, und sie freute sich auf ihn während der ganzen Woche.
Alles Gute war augenscheinlich immer auf einen Sonntag gefallen: in den Kirchen, in den Häusern, in den Vergnügungslokalen und Theebuden feierte man nur ihn! Die Glocken, die mit mächtigen Klängen die Luft erfüllten und in die Stuben hineintönten, redeten Stanjkas frommer Naivetät ganz unterschiedslos von himmlischen wie von irdischen Herrlichkeiten, von Kniebeugungen bei Orgelklang und Kirchengesang, wie vom Tanz zur Balalaika.