Und mit diesem Gespenst trat ihr die liebste Gestalt entgegen, sie, von der sie es nicht ertrug.

Konnte die Mutter denn gewähren, was ihr Liebling von ihr heischte? Konnte sie denn wirklich auch die letzte fortlassen? Ganz, ganz allein nachbleiben? Mußte das sein?

»Nein! Nein!« schrie es in ihr.

Und mit Blitzesklarheit nahm die Erkenntnis ihr Herz ein: »Wenn du jetzt — jetzt gleich sie wecktest, wenn du vor dein Kind hintreten würdest wie vor eine Ertappte, die du heimlich belauscht, — wenn du ihre kleine schmiegsame Mädchenseele jetzt in die Hand nehmen und nach deinem stärkeren Willen prägen würdest: ja, dann wäre es vielleicht möglich, deinem Einfluß in ihr Gewalt zu verleihen. Nimm den Augenblick wahr, wo sie, sich selbst verratend, daliegt, als sei sie dir ausgeliefert. Mache sie zu deinesgleichen, hauche ihr dein Wesen und deine Wünsche ein. Sie ist ja dein. Sie vertraut dir grenzenlos, und ihr höchster Maßstab bist du. Nutze deine Macht über dein Kind —.«

Aber noch während Marianne deutlich ein jedes dieser Worte in ihrem Innern vernahm, als raune irgend wer sie unablässig ihr zu, machte sie eine übermenschliche Anstrengung, sich ebenso unbemerkt zu entfernen, wie sie hergekommen war.

Nur jetzt keinen Laut! Nur jetzt leise, leise hinweg, ehe sie erwacht, ehe sie ahnt, wer hier gestanden und mehr, als sie sagen wollte, von ihr erfahren hat —.

Es gelang Marianne, die Thür wieder anzulehnen und geräuschlos ihr Schlafzimmer zu erreichen.

Mechanisch begann sie, sich zu entkleiden.

Da standen noch die Anemonen.

Marianne blickte mit heißen Augen auf sie.