Und allgemach lenkte Marianne das Gespräch in immer ruhigere Bahnen. Sie saßen eng zusammengerückt bei der halbgeleerten Flasche, und während sie die praktische Seite der Frage näher erörterten, scherzten sie schon wieder.
Endlich stand Marianne auf. Es war fast halb sechs geworden.
»Jetzt möchte ich hineingehn und ein wenig ruhen, ihr beiden Taugenichtse. Diese Nacht war nicht gut für mich. Und morgen ist kein Sonntag mehr —. Aber von da an nehmen die Stunden endlich reißend ab. — Bis wir um halb sieben essen, bin ich wieder da. Sollte nun noch inzwischen ein Sonntagsgast kommen, so bestrickt ihn mit so viel Liebenswürdigkeit, als ihr wollt, mich jedoch soll er auf alle Fälle in Frieden lassen.«
An der Thür wendete sie sich noch einmal nach den Mädchen um und nickte ihnen zu. Sie sah ihre leuchtenden zutraulichen Augen, und ein warmes Dankgefühl kam über sie, als fiele langsam von ihren Schultern eine Last, unter der gebückt sie gegangen war: — wieder lagen jetzt die Herzen ihrer Kinder offen und ihr zu eigen vor ihr da, wie ihre blühenden Gärten. —
Nur ein Sonntagsgast schellte ein wenig später. Es war Tomasow.
Marianne hatte gewußt, daß er noch kurz vorsprechen wollte, indessen hatte sie selbst ihn in diesen Stunden vollständig vergessen.
Die beiden Mädchen erzählten ihm wörtlich den Auftrag der Mutter, falls jemand zu Besuch käme. Er mußte lachen —, nun wußte er genug.
Was etwa noch fehlte, ergänzte ihm ein einziger Blick auf die Schwestern. Sophies Gesicht war noch voll roter Thränenspuren. Cita war blaß und die dunkeln Augen brannten ihr.
»Nun, das hier scheint mir ja schon mehr ein Bacchanal gewesen zu sein!« bemerkte Tomasow, als er ins Wohnzimmer kam, wo noch die leeren Gläser standen.
Sophie fuhr es heraus: »Ja —! Denn ich soll nun Cita ins Ausland folgen und von Ostern ab Medizin studieren!«