Cita war sehr blaß.
Ihre Schwester kam mit Rheinwein und Gläsern zurück, entkorkte die Flasche und goß ein.
Keiner von den dreien sprach ein Wort, als Marianne ihr Glas erhob und mit ihnen anstieß.
Sie küßte ihre blonde Tochter, ihr zarteres Herzenskind, doch that sie es heiter und herzhaft, um keinesfalls mehr Thränen aufkommen zu lassen.
Cita unterstützte sie in dieser Absicht nach Möglichkeit, denn es verletzte sie fast, daß Sophie heute weinen konnte.
»Eigentlich ist das ja ein Weihnachtsgeschenk, das allergrößte, und gleich unter den noch ungeschmückten Baum gelegt!« sagte sie scherzend, »— wie kann man nur seine Gaben so vorweg verschwenden, Ma! Jetzt sollte ich von Rechts wegen alle übrigen Geschenke bekommen, denn Sophie hat nun an diesem einen vollauf genug.«
»Bis zum Weihnachtsabend hab ich vielleicht noch ein andres Geschenk für euch, — und dann für euch beide!« erwiderte Marianne mit leisem Lächeln, und man hörte ihr an, daß sie von einer noch zaghaften, aber goldnen Hoffnung sprach.
»Noch ein andres? Noch ein schöneres? Nein, denn das gibt es ja gar nicht mehr auf der Welt. Nicht wahr, Sophie?«
Sophie schüttelte energisch den Kopf, ihre geröteten Augen strahlten jetzt doch.
»Also dies einzig ist das Schönste für sie, Besseres gibt es nicht!« dachte Marianne still, einen Augenblick lang weh berührt, doch an der verschwiegnen Hoffnung, die sie hegte, hob sich ihr Mut wieder. Diese Stunde sollte eine freudige sein, und sie wurde es. So vieles drängte sich zur Aussprache, den beiden Mädchen wurde es in diesen Minuten erst bewußt, daß sie in mancherlei Heimlichkeiten gelebt hätten die Zeit über, — und daß es köstlich sei und an sich schon ein Fest, keinerlei Heimlichkeiten mehr zu kennen, Mas Blick und Lächeln gegenüber.