Sophie ging, der Mutter Taschentuch vor die Augen gepreßt, langsam, als sei dieser Tag mehr ein schwerer als ein großer für sie.

Cita sah ihr unwillig nach.

Sie bemerkte zur Mutter: »Sophie ist doch noch sehr ein Kind. Hiernach muß doch nun ein jeder denken, es ginge zur Schlachtbank. Aber du kannst mir glauben, daß sie darauf brennt, zu studieren. Man muß nur erst in ihr alles das klären und ordnen.«

Marianne schwieg einen Augenblick.

»— Bist du es, die diesen Entschluß in ihr zu klären versucht hat?« fragte sie dann ruhig.

Cita begegnete ihrem Blick fest und offen.

»Ja, Ma. Sobald mir das selbst klar geworden war. Sie konnte nur nicht den Mut finden, dich zu fragen —. Sieh, ich stehe ja so dazu: es ist etwas, wofür ich jederzeit kämpfe und eintrete, — wie denn also nicht, wo es die eigne Schwester gilt? Nur mit einem Unterschiede freilich: daß ich in diesem Fall nicht nur für die allgemeine Sache einstehe, sondern auch mit jedem Blutstropfen für Sophie selbst. Daß ich mich ihrem Leben verbinde, ihr helfen, zu ihr halten will jederzeit, — was auch geschehe.«

Marianne zauderte nur noch einen letzten Augenblick. Dann reichte sie ihrer Aeltesten schweigend die Hand.

Sie schauten einander dabei voll in die Augen, wie zwei Freunde, die, wenn sie auch nicht auf ganz gleichem Boden kämpfen, es doch in gleichem Sinn und für dasselbe höchste Ziel thun.

»Ich stelle Sophie in deine Obhut, — ich baue auf deine Treue: Höheres hab ich dir nicht anzuvertrauen,« sprach Marianne leise; »— Sophie war ›sein‹ Liebling — und ›seinen‹ Blick hat Sophie. Mir ist, als ginge noch einmal ›er‹ von mir hinweg, indem sie geht —.«