»Nein, nein, dagegen bin ich ganz!« rief eine andre in mitleidigem Ton.

»O, ich wäre schon dafür,« suchte eine dritte zu vermitteln, »wenn es nur für eine Weile ist. Denn später, da heiratet sie ihn ja dafür.«

»Heiratet?« fragte die erste Stimme erstaunt, »nein, ich denke nicht daran! Er ist und bleibt unglücklich, sage ich euch. Ein für allemal. Aber heiraten werde ich ihn nicht.«

Erik fiel das Heft aus der Hand. Er stützte sich auf das Fensterbrett und sah vorsichtig hinab. Er hätte gern gewußt, wie das grausame Geschöpf aussah, das den Unglücklichen lebenslang gemartert wissen wollte und ihn nicht einmal heiratete.

Aber sie saß offenbar dicht an der Hausmauer und war von den andern so umstellt, daß Erik sich nicht tiefer hinabbeugen konnte, ohne von unten her gesehen zu werden. Er erblickte nur zwei schmale, weit vorgestreckte Füße in ausgeschnittenen Schuhen und dunkeln Strümpfen.

Jetzt zwitscherten alle so durcheinander, daß man nichts verstand.

Dann sagte ein bildhübscher, dunkelhaariger Backfisch, während er herzhaft in einen Apfel hineinbiß: »Ich finde es wirklich komisch von dir. Denn wozu haben wir ihn sonst mit so vielen und besondern Eigenschaften ausgestopft, wenn du ihn doch nicht nimmst? Er hat doch das Allerbeste abbekommen. Wenn er nur edel und unglücklich sein soll, so hätte er auch gewöhnlicher bleiben können, — meint ihr nicht?«

»Laß sie doch, Wjera, du sollst sehen, sie hat im stillen schon wieder etwas Neues vor, — vielleicht was viel Schöneres,« meinte ein kleines, blondes Mädchen in zierlich gestickter Latzschürze, »und wenn ihr sie nicht in Ruhe laßt, so sagt sie es uns am Ende nicht.«

»Hast du was? Hast du was? Ist es schön?« schrieen sie erwartungsvoll.

»Es ist nichts für euch! Aber von allen die allerschönste Märchengeschichte!« erklärte die Angeredete an der Hausmauer, »kennt ihr die Verse von Uhland?« Und sie begann mit einer weichen Stimme zu deklamieren: