»Würdest du denn fraglos thun, was ich will? Auch im geheimsten, was du für dich treibst? Auch im Verborgensten deiner Rumpelkammer? Immer?«
»Immer.«
Er nahm ihren Kopf zwischen seine Hände.
»Und wenn ich sie dir nun ausräumen wollte? und wenn es zufällig gerade dein liebster Winkel wäre? und wenn es nun, irgend wann einmal, vielleicht keine bloße Rumpelkammer mehr wäre, sondern dein glückliches geistiges Zu Hause? würdest du dann auch noch ebenso antworten: ›Was Sie wollen‹?«
»Ja!« sagte sie einfach.
Erik machte eine Gebärde, wie wenn er sie in seine Arme ziehen wollte, dann aber ließ er sie frei, trat zurück und ans Fenster, neben welchem, an der Seitenwand, ein kleiner Bücherbort hing.
Ein paar Minuten vergingen.
Ruth sah ihm zu, wie er anscheinend die Titel der Bücher studierte, die sich in der langsam zunehmenden Dämmerung nicht mehr erkennen ließen. Aber Erik wußte ungefähr, was alles sich hier auf das sonderbarste einträchtig zusammengefunden hatte. Eine lateinische Grammatik aus Jonas' Nachlaß und die Märchenwelt von Tausend und eine Nacht, eine Auswahl aus Platos Werken in deutscher Uebersetzung und ein zerrissener Band alter russischem Volkserzählungen, Ueberwegs »System der Logik« und die französische Uebersetzung des Don Quixote mit den Illustrationen von Doré, und so fort.
»Warum haben Sie nie ein Buch geschrieben?« fragte Ruth plötzlich vom Fenster her.
»Weil ich es nie gekonnt habe. Bücher zu schreiben verstehe ich nicht, Ruth. Und mir schien wohl auch immer: Bücher sind tot, nur das gesprochene Wort lebt. Und ich fürchte, du wirst es auch nie können, nie verstehen, mein armes Mädel.«