Sie war schon aufgestanden.

»Ja!« murmelte sie, »morgen! Ich muß morgen fragen, was ich will.«

»Das sollst du.«

Er gab ihr die Hand.

»Geh voraus. Gehe nur. Ich folge schon. Warte im Hause nicht auf mich.«

»Gute Nacht!« sagte sie gehorsam und ging.

»Mein Liebling! gute Nacht!« rief er ihr nach.

Und im Klang seiner Stimme lagen alle die Liebkosungen, nach denen sie den ganzen Tag, die ganze Nacht gehungert hatte.

»Verzeih mir! Liebling,« sagte er reuig vor sich hin, während er ihr langsam folgte. Allein gelassen hatte er sie, allein stehen lassen in dem Augenblick, wo sie seine ganze Kraft und Liebe erwartete und ihrer bedurfte. Weil er sich selbst nicht traute, nicht vertraute, — aus Furcht vor seinen Sinnen, — und vor diesem unwissenden Kindersinn, der ihm mit einem Lächeln entgegenkam.

Das war feige gewesen. Nicht durfte er aus solchen feigen Gründen in letzter Stunde seine Hand zurückziehen, nach der sie sehnsüchtig und gläubig griff, als nach der Hand des einzigen Menschen, den für sie die Erde trug. Nicht überlegen, nicht geizen, nicht einschränken das, was er ihr gab, und wonach es sie mit einer Inbrunst verlangte, — mit einer Zärtlichkeit, wie sie auf der ganzen Welt nur das einsame, das nie geliebkoste Kind kennt.