Erik hatte die letzten Worte fast laut gemurmelt: »Kampf — — — Glück.«
Er öffnete, wie erwachend, die Augen.
Es war hell um ihn. Die Nacht vorbei. Glutrot stand der Himmel, wie in Flammen.
Hinter dem Gehölz ging die Sonne auf. Purpurn, strahlenlos wie ein ungeheurer Mond leuchtete sie durch den Morgennebel. Und purpurner Glanz auf den Fenstern, auf dem Fußboden.
Noch war im Hause niemand zu hören. Nur die Schwarzdrosseln schwatzten vor dem nahegelegenen Küchenfenster und unterhielten sich darüber, ob Gonne ihnen wohl bald, beim Zubereiten des ersten Frühstücks, ein paar Krumen zuwerfen werde?
Erik stand auf, stand still angesichts der Morgenherrlichkeit.
Er hatte Bel geliebt, — so sehr, wie, nach seiner Meinung, der Mann bisher das Weib überhaupt lieben kann: nicht nur mit der Habgier der Sinne, nicht nur zu einem flüchtigen Liebesbündnis, das zufällig »Ehe« hieß, sondern zu einem wirklichen Lebensbündnis, das kein Staat, kein Priester, das nur der eigene, bewußte Wille besiegelt. Es war gewesen, wie er damals, im scherzenden Gespräche über die Ehe, zu Warwara gesagt: kein Pflichtbewußtsein, sondern das dauernde Glücksbewußtsein, seinem Weibe, auch nach dem Schwinden der Sinnenliebe, alles in allem zu sein. Daran hatten weder Krankenlager noch Altern, weder Lebensenttäuschungen noch Liebesversuchungen jemals das Geringste zu ändern vermocht.
Wenn er ihr je untreu geworden in einer heißen Aufwallung des begehrlichen Blutes, — oder auch in einem bittern Rückblick auf die zerstörten, für sie hingegebenen Hoffnungen seiner Jugend, dann lehnte er sich gegen sich selbst auf mit Kraft und Härte. Niemals hätte er es doch zugegeben, daß irgend eine Gewalt stärker über ihn werden könne als sein Wille, seine Bürgschaft.
Und nun, wenn er alles sammelte, was er an Scham und Selbstvertrauen, an Stolz und Herzensgüte besaß, — wenn er das alles sammelte und zusammenraffte, war es nicht genug, um Bel, die Wehrlose, gegen einen Kampf mit ihm zu schützen? Oder, wenn es denn in der Zukunft zu einem solchen Kampfe kam, gab es in seinem vergangenen Leben nichts, was stark genug, heilig genug, barmherzig genug war, um für Bel einzutreten und gegen ihn selbst zu siegen?
Erik schaute geradeaus, hinein in das rote Flammenmeer am Himmel. Er wollte, — er mußte ehrlich sein.