Wjera saß nachlässig hingegossen, die Arme längs der Banklehne ausgestreckt, und schielte seitwärts in den kleinen Handspiegel, den jemand in der Nähe des Fensters angebracht hatte, und der immer umstanden war.

»Ich glaube nicht daran, daß er mit uns so ist wie mit Ruth,« murmelte sie; »es wäre der reine Betrug. Entweder hat Ruth uns gefoppt, — oder wir sind — dumm. Glaubt ihr etwa, Ruth meinte das, als sie so außer sich vor Entzücken sagten ›O — — dahinter gibt es das ganze Leben?‹ Wir stehen noch vor der Mauer, — wie eine Hammelherde.«

»Na, so geh doch hinüber.«

»Ich werd' auch,« versetzte Wjera kurz, — »noch heute. Wollt ihr? Mit einem Satz! Aber daß ihr nicht schreit! Ihr könnt ja nachspringen.«

Im Nu drängten sie sich um sie, brennend vor Neugier.

»Was wirst du thun?!«

Sie erwiderte nichts. Sie hob nur das Gesicht ihnen entgegen und spitzte den Mund ein wenig.

»Ein Kuß?!«

Sie schrieen jetzt schon.

Da trat Erik herein. Er bemerkte, daß sie zerstreut waren, beachtete es aber nicht. Wjera las vielleicht ganz richtig in seinen Augen: »Wie eine Hammelherde.« Er vermißte Ruth unter ihnen, nicht weil er sie liebte; er vermißte sie, weil sie ihn fortwährend angeregt, fortwährend seine Geistesgegenwart verlangt hatte. Für sie mußte er auf der Höhe seiner selbst stehen, um niemals fehlzugreifen.