Dann erst lehnte er sich müde in seinen Stuhl zurück. Und wieder las er, mit immer neuen Kommentierungen, an der einzigen Silbe »Du«. —
Der nächste Tag brachte draußen die erste echte Frühlingsstimmung. Ein tiefblauer Sonnenhimmel strahlte über den kahlen Bäumen. Noch zog sich am Rande der Kieswege, schmal und vergraut, eine durchlöcherte Schneekruste hin, aber aus dem toten Gras hoben sich schon frisch die saftgrünen Hälmchen, und an den Birkenzweigen hingen seit Wochen, geduldig wartend, längliche braune Knospenzipfel. Der Wiesengrund hinter dem Garten stand ganz unter Wasser und spiegelte blinkend Himmel und Sonne wieder; vereinzelte zersplitterte Eisschollen trieben darin umher.
Erik hatte, wie jetzt fast immer, den ganzen Tag in der Stadt zu thun; neben seinem Schulunterricht noch den freiwillig erteilten, den er, mit sich daran anschließenden Vorträgen, in diesem Winter durchführte: teils in seiner Stadtwohnung unter Beteiligung Erwachsener, teils in einem leerstehenden Klassenzimmer der Mädchenschule.
Diejenigen, die sich hier einfanden, gehörten ebenfalls der Schule nicht mehr an, oder doch fast nicht mehr. Man konnte es den Gesprächen entnehmen, mit denen sie ihn meistens erwarteten. Es wurde nicht mehr von Phantasieereignissen gesprochen, sondern von Bällen und Gesellschaften und von Anbetern, die wohl nicht mehr in der bloßen Einbildung existierten. Von Schulangelegenheiten niemals, wenn nicht etwas ganz Sensationelles vorfiel, wie heute morgen, wo ein kleines Mädchen beim Frühgebet im großen Schulsaal umgefallen und liegen geblieben war, — ein Fall von Epilepsie. Es hieß, das bloße Ansehen wirke ansteckend, nichtsdestoweniger hatten die meisten, wie gebannt, auf die Zuckende hingestarrt, welche, Schaum an den Lippen, vor ihnen lag.
Mitten in das Gespräch darüber kam, als die Späteste, und mit einem unterdrückten Gähnen, die hübsche Wjera mit den kecken dunkeln Augen. Sie war seit der Zeit ihrer Backfischstreiche noch hübscher geworden.
»Bist du auch wieder da?« rief Eriks fleißigste Schülerin sie an, »ich möchte wissen, wozu? Ob es dir wohl angenehm ist, daß er immer nur Spott für dich hat?«
»Und Lob für dich; da ziehe ich mein Teil vor,« erwiderte sie mit Ueberzeugung; »laß ihn nur spotten, das thut ihm gut, er ist bei schlechter Laune. Glaubst du, daß dein Fleiß ihn beglückt, mein geliebtes Gänschen?«
»Mehr als fleißig sein kann niemand,« bemerkte eine, die in Erwartung des Kommenden auf dem Fensterbrett saß und häkelte.
Wjera lachte boshaft: »Nun, er könnte noch allerlei andres schmerzlich vermissen, — zum Beispiel Verstand. — — Lieber Gott, was kann es nützen, sich so anzustrengen?«
»Warum bleibst du denn nicht weg? Du wolltest ja haben, was Ruth hatte, — du am meisten.«