Aber wenn man einen schwächern Menschen so absolut in seinen Besitz nimmt, so fühlt man die furchtbare Verpflichtung: ihn nicht wieder von sich zu lösen. Man stellt sich für das ganze Leben in einen Kampf hinein zwischen Scham und Mitleid, bei jedem leisesten Versuch, sich dieser Verpflichtung zu entziehen.
Wahrscheinlich würde das Frau Römers Meinung sein. — Auch — Ruths Meinung? Ruth grübelte nicht über solche Fragen. Aber was täglich, stündlich auf sie wirkte, sie beeinflussen mußte, mächtiger als alle Worte, alle Grübeleien, — das war Frau Römers Ehe. Eine heilig gehaltene, glückliche Ehe.
Sobald sein Unterricht ihn freiließ, ging Erik zu Warwara. Mehr, als er es sich selbst gestehen wollte, war es ihm recht, jetzt noch nicht nach Hause zu fahren.
Als Erik gemeldet wurde, entfernte sich eine lange, hagere Engländerin, Warwaras Gesellschafterin, aus dem Zimmer.
»Sie sehen ganz besonders ernst aus,« bemerkte er bei der Begrüßung zu Warwara, »es ist Ihnen inzwischen doch nichts Unangenehmes passiert?«
Sie mußte hell auflachen.
»Etwas passiert, — ja. Aber man zählt es nicht zum Unangenehmen.«
»— Verlobt?! — war das die Mitteilung?! — Mit wem?«
Sie setzte sich in ihre Plauderecke. »Gleichviel, mit wem. Ein Ihnen ganz Fremder. Im Auslande. Sie werden es auf einer schön gestochenen Verlobungskarte lesen.«
»Und darf ich Ihnen Glück dazu wünschen, Warwara?«