Erik schwieg überrascht.
Nach einer kurzen Pause sagte sie: »Es ist ein sehr vertrautes Geständnis. Aber ich bin mit Ihnen sehr vertraut, — mehr, als Sie wissen. Hab' Sie oft so im stillen bei mir selbst um allerlei Rat gefragt. Sie zum Beichtvater und Seelsorger gehabt. Wir hätten öfter, als wir gethan, ernste Dinge miteinander teilen sollen.«
»Das hätte mich sehr froh gemacht, Warwara. Schon das, was Sie da sagen, macht mich froh. Ich bedurfte gerade dessen.«
»Nun, sehen Sie, das ist gut. So will ich's auch ruhig bekennen. Daß ich wirklich nur ein ganz armes Weltkind bin, voll von allerlei Tand und Plunder. Und daß ich gern mehr sein möchte. Vielleicht dank Ihnen, — dank den stillen Unterhaltungen, die ich da mitunter mit Ihnen geführt habe. Und so will ich mir denn nun den einzigen Erzieher und Meister ersehnen und erwünschen, der aus mir noch das Beste machen kann, — das Beste, was in mir ist.«
»Das alles erwarten Sie von einem Kinde?«
»Von der Mutterschaft — ja. Von der Mutterliebe. Dem Mutterglück. Der Mutterpflicht. — Und dann,« sie wandte sich lebhaft zu ihm, »irgend wann einmal, wenn ich wirklich so glücklich sein soll, dann gebe ich mein Kind in Ihre Hand, damit Sie es zu einem tüchtigen Menschen heranziehen helfen, Sie Menschenlehrer.«
»Hätten Sie das Vertrauen zu mir? Ein so festes? Einen ganz festen Glauben an mich? Ich danke Ihnen, Warwara.«
»Ja. Ich traue Ihnen und Ihrer Kraft unendlich viel zu. Unter der einen Bedingung: daß Sie Ihre Aufgabe sehr lieben.«
»Mit andern Worten, keine Kraft zur Pflichttreue.«
»Das weiß ich nicht. Ich glaube nur, trotz allem, daß Sie im Grunde Gemütsmensch sind. Und das heißt doch nur: sehr lieben können, — Menschen oder Ideen, — und da, wo man sehr liebt, sich rückhaltlos verschenken können. Hingegen all das andre, was Sie bisweilen mit solchem Selbstvertrauen zu behaupten pflegen, — all die Sicherheit und Unfehlbarkeit außerhalb dieser leitenden und entscheidenden Gefühle, — nein, — daran glaub' ich auch für Sie nicht.«