»Sie sind eine große Philosophin geworden,« bemerkte er halblaut.

»Wie? Sie geben's mir zu?« fragte sie überrascht, »welch ein fremder, guter Geist der Nachgiebigkeit ist denn nur über Sie gekommen? Aber es ist wahr, warum sollten auch Sie es nicht einmal fühlen, wie abhängig wir alle vom Glück sind, — wir armen Weltkinder alle? Vom fruchtbaren Erdfleckchen, auf dem auch für uns noch ein ganzes Glück, eine ganze Liebe, — und dadurch allein! — auch eine ganze Pflicht und Heiligkeit wachsen kann.«

»Und wenn wir dies Erdfleckchen, gerade dies, nicht bebauen dürfen?«

»Dann verdorren wir, — oder verschleudern uns. Wenigstens ich. Und Sie auch.«

Ein Diener erschien in der Portierenthür und bat zur Tafel.

Warwara stand auf.

»Geben Sie mir den Arm. So ernst? Ich habe Sie doch nicht verletzt?«

»Nein. Sie haben ganz recht. Hatten recht, als Sie einmal vor langer — sehr langer Zeit zu mir sagten: ›Wir haben eine gemeinsame Versuchung.‹ Es erkennen, heißt hart werden, — gegen alles, was uns hindert, uns fruchtbar auszuleben.« —

Auf dem Lande saßen Klare-Bel und Jonas nebeneinander bei Tisch. Jonas fand: einander gegenüber, das sei zu feierlich. Es machte ihm Spaß, dabei die Mutter zu bedienen und ihr vorzulegen, von allem das Beste. Er war bemüht, sie zu unterhalten.

Klare-Bel hörte nicht recht hin; ihre Blicke hingen an einem Brief, den Jonas mitgebracht hatte. Er war erst nach Eriks Anwesenheit in der Stadtwohnung dort eingelaufen.