Von Ruth. Ganz außer der Zeit. Klare-Bel konnte eine schwache, thörichte Hoffnung nicht unterdrücken, die mitten in Jonas' harmloses Geplauder hineinredete.

Als Erik, bald nach dem Abendthee, zu Hause eintraf, bemerkte er sofort den Brief, der für ihn bereit lag. Sein Blick streifte Jonas, — flüchtig nur, — aber Jonas stand sofort auf, um hinauszugehen. Der Vater wußte doch ganz gut, wie schwer ihm das fiel, — aber er sollte ihm nicht noch einmal, wie in jener Nacht vor Ruths Abreise, Mangel an Selbstbeherrschung vorwerfen. Jonas gehorchte ihm jetzt immer blind, — auf den Wink; denn schickte er ihn auch aus dem Zimmer: er führte ihn ja doch den Weg zu Ruth.

Klare-Bels Augen hingen mit unaussprechlicher Spannung an Erik, während er den Brief erbrach. Eine einzige Sekunde, — die Seite umgerissen, — eine zweite, blitzschnell, — und er ballte das Papier in der Hand.

Er war grau im Gesicht.

»Erik! was ist es? — etwas Schlimmes, — für dich Schlimmes, — Erik!«

Sie entsetzte sich vor dem veränderten Ausdruck in seinen Zügen.

Er entfaltete das Papier wieder, nur die Hand ballte er. Vor seinen Gedanken schwirrten vier Worte: »Ich habe ihn lieb«, und, am Schluß, etwas wie »den Kuß gab ich ihm«, — mehr hatte er nicht gelesen. Er biß die Zähne aufeinander.

Das zu lesen, jetzt, vor den Augen seiner Frau.

Er las es, aufrecht stehend, hell beleuchtet, vor der Lampe.

»Am Schloßberg. Dienstag.