»Sie würden unsrer verwöhnten Gesellschaft nicht so gut gefallen, wenn Sie nicht selbst ein wenig von ihr berauscht würden. Habe ich nicht recht?«

»Nun, nehmen wir also an, ich will nicht berauscht werden,« sagte Erik und kreuzte die Arme; »daß gerade Sie als Versucherin kommen, ist freilich schlimm für mich. Ein Glück, daß die Saison zu Ende geht.«

Sie machte einen schmollenden Mund.

»Ich weiß schon. Mich halten Sie für die Inkarnation weltlicher Oberflächlichkeit.«

Er widersprach nicht.

Einige Augenblicke lang schwiegen sie beide, und zwischen ihnen lag, unmöglich zu überhören, Warwaras stumme Frage: »Bin ich es, die dich berauscht?«

»Sie sind ein Egoist,« sagte sie dann aufblickend, »sonst hätten Sie bemerken müssen, daß Sie sich irren. Wissen Sie nicht, weshalb ich Sie so gern da habe, mitten unter den Menschen? Weil ich gerade ebensogut fühle wie Sie, daß dieses Treiben im Grunde eitel und hohl ist, — inhaltsleer, — und es mich dennoch berauscht — wie Sie. Ihre Anwesenheit war also die eines Leidensgenossen für mich. Hand aufs Herz! sind wir nicht so etwas wie Leidensgenossen? Wir haben eine gemeinsame Versuchung.«

Er blickte sie fest an. Sie sprach rasch, ein wenig erregt, mit dem weichen, klingenden Tonfall, den er an den Slaven so einschmeichelnd fand. Ihr selbst war es in diesem Augenblick nicht ganz klar, ob sie mit ihm kokettierte, oder ob sie nicht vielleicht ehrlicher mit ihm sprach, als je mit sich allein. Es schien ihr wirklich manchmal — und besonders in den seltenen Stunden des Alleinseins, — als triebe ein verwandter Zug sie zu einander. Und dann war ihr Erik interessant: als Mensch. So, wie unter lauter Satten ein Hungriger interessant ist. Unter den Gesellschaftsmenschen ihrer Umgebung kam er ihr vor wie einer, der ungeduldig auf Beute ausgeht, und, weil er die ihm gemäße dort nicht findet, seinen Hunger mit Naschwerk zu betäuben sucht.

»Also: Kameradschaft in einer gemeinsamen Versuchung!« sagte Erik wegblickend — »vielleicht ein Wettkampf, wer ihr besser erliegt?«

Sie erhob sich, um zu gehen.