Was es nur gab, raffte er zusammen, um sich in der Gegenwart voll zu bethätigen, und an die Zukunft, — an die glaubte er so fest, wie ein Kind an Gott.
Klare-Bel richtete sich ein wenig höher auf in ihren Kissen und stützte den Kopf in die Hand. Weiter als bis hierher dachte sie niemals.
Ein Glanz froher Erinnerung lag auf ihrem Gesicht, der es verjüngte. Die kunstvoll geordneten Locken, die, statt jeder festen Frisur, dies Gesicht umrahmten, trugen noch dieselbe wunderhübsche Goldfarbe wie damals. Nur am Hinterkopf waren sie durch das lange Liegen dünn geworden, ja, dort hatte sich sogar eine ganz kleine, verheimlichte Glatze gebildet.
»Jetzt müssen wir in die Schule wandern, Jonas,« bemerkte Erik und wandte sich vom Fenster.
»Gehst du heute zu den Mädchen, Papa?« fragte der interessiert.
»Ja. Aber deshalb brauchst du mich nicht wieder am Thorweg der Mädchenschule abzuwarten und dort herumzulungern,« versetzte Erik mit einem Seitenblick, der Jonas verlegen machte. Ohne ein Wort zu erwidern, trollte dieser sich aus der Stube.
»Jonas fängt früh an! Er artet dir nach, Erik!« sagte Klare-Bel lächelnd, und als stände es mit ihren Worten in irgend einer Gedankenverbindung, griff sie zwischen allerlei Sachen, die auf einem niedrigen Tischchen neben ihrem Ruhebett standen, einen geöffneten Brief heraus. »Hier liegt noch die Einladung. Wenn du wirklich absagen willst, vergiß es nicht heute in der Stadt, oder gehst du persönlich vor?«
Er streckte die Hand nach dem Brief aus und überflog ihn flüchtig. Es war eine kurze Einladung, unterschrieben: Warwara Michailowna. Erik kniff das Papier zerstreut in kleine Falten und warf es auf den Tisch.
»Ich möchte dich wohl was fragen, Erik.«
»Ja, Bel?«