»Ob das meine Zukunft hier ist? — der Mai unerträglich!« dachte er, und sagte laut: »Ich muß gestehen, ich habe eine Schwäche für diesen russischen Frühling. Er mag unartig sein, vielleicht launischer und gefährlicher wie jeder andre, aber dafür ist er ein Wunder. Er zögert so lange und kommt dann so unerwartet und so unwahrscheinlich schön, daß man seinen Augen nicht traut.«

»Ja, ja. Wenn man Augen dafür behalten kann. Ich reise nach Schulschluß immer nach Deutschland zurück und erhole mich von den russischen Windstößen und Verhältnissen. Ich schreibe an einem Werk, — immer in den Ferien in Deutschland. Das ist meine Erholung. Da bleibt für den Sommer wenig übrig. So geht es uns eben allen — allen, die wir uns geistig überarbeiten müssen.«

Erik schwieg einen Moment, dann erwiderte er, wie wenn er einen stummen Gedanken beende, ruhig: »Ich weiß mich freilich nur sehr zum Teil als ›Geistesarbeiter‹.«

»Ach, Sie meinen doch nicht, weil Sie da drüben, — weil Sie etwas lange in ländlichen Verhältnissen —? aber ich bitte Sie, bei Ihrem Wissen und Ihrer Begabung! Warum sollten Sie nicht auch noch ein Werk schreiben?«

Erik lachte.

»Nein, so meinte ich es nicht. Nicht daß ich drüben vielleicht ein wenig verbauert sein könnte. Nicht den Mangel an Büchern. Denn wir — der Lehrer vor allen Dingen, arbeitet doch vorwiegend mit Menschenmaterial. Wir gehören schon einigermaßen außerhalb der Gelehrtenstube, scheint mir. Mitten in das Leben hinein.«

»Hm!« machte der Kollege, »ich finde, an die Menschen kommt man doch nur sehr oberflächlich heran. Es bleibt wirklich nur die Schreibtischarbeit. Aber sagen Sie doch mal: man sprach davon, daß Sie vor ein paar Monaten eine Reihe von Vorträgen haben eröffnen wollen? Was war es damit?«

Eriks Augen verdunkelten sich.

»Nichts war es damit!« sagte er kurz, »man hat mir den Saal verweigert.«

»Sehen Sie, — sehen Sie! das kommt von Ihrer unbequemen Auffassung des Lehrerberufs außerhalb der Arbeitsstube. Man fürchtet, daß Sie ein wenig lebhaft werden könnten. Wir gehen hier ja eben alle mit gebundenen Händen, — Sie wissen's doch! Aber mit Einem sollten Sie sich wirklich trösten: es gibt hier ja gar keine Menschen, unter denen irgend etwas zünden und wirken kann. Es gibt nur das Volk, zu dem wir weder sprechen dürfen noch können, — und ein Publikum, das sich amüsieren will.«