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Magdeburg, Sonntags, den 18. April 1824.
Wenn Sie das Fest, theure Freundin, so heiter verleben, als ich es Ihnen wünsche, muß es Ihnen Festtage bieten. Sie haben nun den Druck der Charwoche überstanden, der auch uns Protestanten dort fühlbar genug wird, der Leib des Herrn ist aus dem Grabe genommen, und die Auferstehung zeigt ihr fröhliches Symbol in den Knospen und Blüthen, die sich schon überall hervordrängen. Ich mag gern ein etwas spätes Ostern, es ist häßlich, wenn das Sommerhalbjahr uns noch mit Schnee und Reif bewillkommnet. – Wie ich bei allem, was mir Gutes begegnet, immer zuerst an Sie denke, so wünschte ich Sie auch in voriger Woche zu mir, da ich die Gewächshäuser des reichen Gutsbesitzers Nathusius in Althaldensleben besah. Sie werden vielleicht von den ausgedehnten Besitzungen und weitgreifenden Wirkungen dieses Mannes gehört haben, der aus einem Bettler ein Millionair wurde, und sein eignes Papiergeld fabricirt, welches bei allen Wechslern Cours hat. Er ist selbst Botaniker, und bei seinen Mitteln lassen sich denn freilich herrliche Pflanzen und Blumen ziehen. Sie würden das alles aber noch vielmehr genossen haben, als ich.
Ein Besuch von Heine fällt in die Zeit, da ich Ihnen nicht geschrieben. Er hat mir einige sehr schöne Gedichte recitirt, von denen eins besonders (eine Rheinfahrt schildernd) mir ungemein gefallen hat. Wenn Sie es lesen wollen, Sie finden es in einer von ihm in den letzten Stücken des »Gesellschafters« abgedruckten Sammlung von 33 Liedern. Es ist das Letzte der Sammlung.
Wenn ich nur durch meine Arbeiten erst durch wäre! Ein und einen halben Band »Ivanhoe« zu übersetzen, einen Aufsatz über das Verhältniß Falstaff's zum Prinzen Heinrich, den ich nothwendig bis zu Johannis liefern muß, zu fertigen, und dabei die Vorbereitungsarbeiten zum dritten Examen zu machen – das ist keine Kleinigkeit. Wenn ich aber erst durch bin, und meine Zwecke damit erreicht habe, dann will ich mir auch wohl sein lassen, und mein Leben genießen.
Leben Sie wohl, meine liebe Freundin, und gedenken Sie Ihres
Freundes
Immermann.
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(Ohne Datum.)