(Ohne Datum.)

Sie bestreuen mir, geliebteste Gräfin, meine letzten Tage bis zur letzten Minute mit Rosen und Vergißmeinnicht. Möchte ich doch von Mund zu Mund und Auge in Auge Ihnen danken können! Ihr eben erhaltenes, liebes Briefchen, sammt dem gestrigen rosigen, nehme ich mit als holde Unterpfänder Ihres so lieben herzigen Wesens. Daß ich heute noch einmal Sie sähe – habe ich schon mit Sehnsucht gedacht in den schlaflosen Stunden der letzten Nacht. Aber ich bin mit dem heillosesten Husten beschwert, der mich schon in der letzten Stunde bei Ihnen matt gemacht hatte. Aufschieben darf ich die Reise dennoch nicht, da sie mit meinem zeitigen Erscheinen auf der Synode in Unna zusammenhängt, und da die Luft nicht kalt ist, fürchte ich nichts. Ich bin nach drei Stunden schon bei meinen Kindern in Elberfeld und kann mich dort pflegen bis morgen Abend. Wollte ich aber auch hier bleiben bis morgen, so gewönne ich nichts hinsichtlich Ihrer, geliebte Freundin, denn ich könnte Ihnen gar nichts sein! – Die armen Erdenkinder! Wie müssen sie verleugnen lernen! – Doch ich habe ja viel Schönes genossen und erfahren. Dank, süßen, schönen Dank Ihnen dafür! – Ich grüße Immermann!

O, leben Sie wohl und erfreuen auch dadurch

Ihren

Möller.

10.

Münster, den 17. Februar 1835.

Kaum weiß ich ein Jahr wie das vorige erlebt zu haben, wo ich so viele mir werthe und befreundete Menschen durch den Tod verloren. Mit welcher Wehmuth erfüllt es mich auch eben jetzt wieder, daß hierzu auch der Name von Lützow zu zählen ist. Ein beweinenswerthes Geschick, das mich so innig auch und anhaltend an Sie, die edle, gefühlvolle Freundin, denken ließ. Auch hier ist Klage erschollen, und es zeigt sich überall Theilnahme. Edelmüthig hat sich hier auch Berlin und der Hof gezeigt; und dies auch neulich noch bei dem Erinnerungsfeste an den Königlichen Aufruf im Februar 1813 von Breslau aus, den ich damals aus erster Hand in Breslau selbst mitvernahm. Die Freiwilligen in Berlin haben bei jenem Feste in herrlicher Weise unseres Lützow gedacht! Gewiß haben Sie die Zeitungsberichte hierüber gelesen. – Wie oft habe ich in der nächstverflossenen Zeit mir die Worte Klopstock's gesagt:

»Ihr Edleren, ach! es bewächst

Eure Male schon ernstes Moos;