Die Engels hat mir mit hellen Farben den schönen Abend bei Ihnen vorgemalt, mit dem Zusatze, daß auch meiner gedacht sei von Ihnen! Sie weiß nicht ganz, wieviel sie mir damit gesagt hat.
Indem ich Immermann grüße und danke, sage ich Ihnen das schönste Lebewohl! O daß eine gütige Schickung mich bald wieder zu Ihnen führe! Fröhlich in Hoffnung küßt Ihre lieben Hände der Ihnen so ergebene
Möller.
14.
Münster, den 25. Mai 1837.
Endlich, theuerste Frau Gräfin, komme ich zu dem frohen Augenblick, Ihnen schreiben zu können. Wie sehr habe ich längst darnach verlangt! Wie vielmehr nach Ihnen selbst! – Ein schönes Wohlgefühl durchdringt mich bei dem Gedanken, daß auf diesen Zeilen Ihre lieben Blicke weilen werden!
Es ist der erste schöne Frühlingsmorgen, den ich erheitert in meinem Garten zugebracht habe und der mir durch die Vorstellung noch schöner geworden, daß ich sofort Ihnen schreiben wollte. Ich habe lebhaft gedacht, daß Sie auch dieses Morgens sich freuten; aber auch wie viel Sie entbehrt bei dem ewigen Zögern des Frühlings. Man hat hier kaum einzuheizen aufgehört. Der Nord hat Blüthen und Nachtigallen fast bis auf heute hier verscheucht. Doch ein Aergeres noch ist uns hier, und namentlich auch mir, durch die Grippe widerfahren. Diese hat mich wie eine Harpye lange umklammert gehalten, wie jene Riesenschlange einst den Laokoon, und monatelang habe ich mich nicht von ihr loswinden können. Ich habe nie solche entsetzliche Gefühle gekannt. – –
15.
Münster, den 22. Februar 1838.
Daß Sie, theure Frau Gräfin, seit kurzem zweimal durch einen lieben Gruß mir Ihr köstliches Andenken bewiesen, hat mich mehr erfreut, als ich zu sagen vermag. Es hat mich gerührt, da ich nach so langem Schweigen solcher Großmuth mich nicht werth gefühlt. Ja, es hat mich entzückt, eine solche immer gleiche Güte und Treue! O, daß ich bei Ihnen wäre, und mit seelenvollen Worten und Blicken Ihnen, holde Freundin, danken könnte. Ach! wie oft wünsche ich mir Ihre liebliche Nähe, versetze mich in dieselbe, vergesse dann den rauhen Winter und athme Frühlingsluft. Noch habe ich es nicht verschmerzt, daß ich im vorigen Spätsommer Sie nicht sah. – Eine plötzliche Versetzung zu Ihnen wäre mir ein Himmel gewesen.