Das alltägliche Lebensgetreibe hat, je länger je weniger Reiz für mich. Ich lebe zurückgezogen, doch freilich nicht ungesellig, was meinem ganzen Wesen widerstrebt. Aber des wahrhaft Freundschaftlichen wird immer weniger bei dem Egoismus und Materialismus der Zeit. Mögen die Eisenbahnen kein Sinnbild eines werdenden eisernen Säculums sein!

Es ließ sich mit Anfang der herben Zeit das gesellschaftliche Leben gut an; sehr gutes Theater u. s. w. Da erhob sich der Kampf mit dem Erzbischof und päpstlichen Stuhle, worüber sich sogar eine städtische Revolution einstellte, von der die Zeitungen zum Ueberfluß berichtet haben. – Die nächsten leidigen Folgen am hiesigen Orte sind ein Zerfall der geselligen Verhältnisse, Partheisucht und Erbitterung. Alle Zurechtweisungen und Belehrungen durch so viel Königliche- und Ministerialerklärungen und so manche treffliche Brochüre sind vergeblich. Adel und Geistlichkeit und das durch letztere aufgeregte Volk meinen, es sei himmelschreiend, so mit einer Erzbischofsmütze und selbst mit dem Abgott zu Rom zu verfahren. – Ich aber habe mich dessen von Herzen gefreut und habe jetzt unsern ritterlichen König noch einmal so lieb. Oft habe ich an Klopstocks Worte in seiner Ode an Kaiser Joseph gedacht, als dieser seine große Fehde mit dem Papste begann:

»Nun mag der dreikronentragende Obermönch,

Mit seinem purpurbemäntelten Mönchlein,

Das Kanonsrecht, so weit er wollte, beschielen

Denn Du wirst sehn!« –

Eine herrliche Unterbrechung dieser odiösen Dinge war das Fest der Freiwilligen im Anfang dieses Monats. Der Verein war zum Gastmahl der tapfern Männer, deren hier über hundert anwesend waren, mit Trophäen geschmückt; die Kriegsmusik und Körner's Lieder ließen sich hören und auch die deutschen Frauen und Mädchen freuten sich im höhern Chor des Lebens bis in die nächsten Tage fort. Ich versetzte mich nach Breslau, wo mich, wie so viel Tausende, das Wort des Königs, der in unserer Mitte war »an mein Volk!« entzückte und hinriß. Auch Sie waren dort – wie ich viel später hörte – wie sehr hätte ich Sie da sehen mögen – eine wackere Thusnelda!

Die Engels empfiehlt sich Ihnen mit herzlicher Ergebenheit. Sie ist sehr wohl und mit ihrem glücklichen Handel[3] innig vermählt. Ich liebe eigentlich solche Vermählungen nicht. Sie kommen mir so kalt vor, wie einst die Vermählung des Dogen von Venedig mit – dem Meere! – Wie viel lieber vermählte ich mich, holdeste Freundin, mit Ihrem Herzen! – O, leben Sie wohl und auch immer ein Bischen eingedenk des Ihnen mit Wärme ergebenen

Möller.

Unser Immermann ist, wie ich höre, mit Herrn von Voß und Andern auf dem Jubelfeste zu Köln gewesen. Ohne Zweifel hat er es mit poetischen Kränzen geschmückt. – Möchte doch der schöne Cirkel, dessen Mittelpunkt einst Sie und Ihre Güte hier waren, noch fortexistiren! Das dünkt mir jetzt eine goldene Zeit, – leider auch mit Anrufung aller himmlischen Mächte nicht zurückzuführen! – Aber die schöne Erinnerung thut mir noch heute wohl, und Ihre liebe Hand küsse ich noch jetzt dafür mit Dank und süßer Liebe! – Freundlich lächle Ihnen, nach unsern jetzt so herrlichen Sternennächten, jeder Morgenhimmel und verbreite Frieden und Freude über das Herz der Holden, die ich meine! –