22.
Münster, den 17. August 1840.
Nachdem ich, holdeste Freundin, für Ihre unvergleichlich lieben Zeilen Ihnen tausendmal im Herzen gedankt, kann ich's nun auch endlich auf diesem Blättchen, das fröhlich unter Grüßen und Küssen zu Ihnen hinüberfliegt. Ich bin nun auch mit Briefen aus Berlin erfreut worden, die mich zur Reise dorthin ermuthigt haben. Leider kann ich sie erst in der zweiten Octoberwoche antreten. – O, weilte ich schon an der Potsdamer Chaussee 38! – Das ist mir, Lieblichste, mehr als alles, was Großes und Schönes mir dort zum Anschaun und Genusse erwiesen werden kann. –
Ich habe lange wie in der Solitüde gelebt, wo ich dann auch Ihrer um so genußreicher gedenken, und unter anderem auch nach Ihrer Italienischen Reiseskizze mit Ihnen lustwandeln konnte; welche süße Freude haben Sie mir hierdurch gemacht, welche liebliche Eindrücke hat Ihre Gestalt bei diesen Wanderungen auf mich gemacht; wie habe ich oft mit Klopstock in seiner Ode an Edone gewünscht:
»Verwandle die Erscheinung und werd' Edone selbst!« –
Des neuen Königs erste Eröffnungen seines schönen Sinnes entzücken die Welt. Arndt's und Jahn's Befreiung von ihren bisherigen Schranken werden mit Jubel begrüßt. Die Befreiung aller sogenannten Demagogen findet ebenfalls überall Anklang.
Ich muß scheiden, wenn auch so ungern! Edle, Liebenswürdige! – Mit den schönsten Wünschen umschwebt Sie täglich
Ihr so sehr ergebener
Möller.