Ist Gesang um mich herum!

Friede, nie gefühlter Friede,

Tönet hier in jedem Liede, –

Dieses ist Elysium!

Sie lächeln des Schwärmers im Alter? – Aber was sind Jahre für's Herz! Es hat nichts mit der Zeit zu thun! – O wie oft habe ich auf Spaziergängen die Wolken über mir gefragt, wo Sie weilen möchten! – Wie oft in nächtlicher Stunde den Sternen zugeflüstert: Sagt mir, wo sie ruht, und zwei andere bläulichte Sterne jetzt zum Schlummer sich geschlossen? – Keine Antwort! – Plötzlich vernehme ich wie ein Echo Ihres Herzens, köstliche Botschaft! – fröhliche Nachricht! – herzgewinnende, liebeathmende Worte! Herrliche Mittheilungen über die Reise, – Lombardei, Genua, Venetia, Padua, Firenze etc. oder über das Beste und Schönste – über Sie selbst! Nun erst gefällt mir Italien vollständig! Habe mehr als zuviel darüber gelesen, daß ich's auswendig kann, – aber erst jetzt hat das große schöne Bild für mich Reiz, Leben, warmen Athem erhalten! Wie jede Stätte uns dann erst recht lieb wird, wo ein uns hochverehrtes und liebes Wesen geruht, gewandelt, gewebt hat, so mir von nun an Italia! – aber auch jedes andere noch so klein und gering scheinende Plätzchen. Noch heute bin ich vorzugsweise gern an der Stelle meines Kanape's, wo Sie vor einiger Zeit – ach, nur für Augenblicke! – meine Wohnung beglückten.

Tausend Fragen und Bemerkungen zu Ihrer Mittheilung kommen mir entgegen – aber mein ganzes Wesen drängt sich zu Ihnen selbst. – Ueber jenes erlauben Sir mir weiterhin mich zu äußern. Ich komme nach einiger Zeit nach Elberfeld und so auch nach Düsseldorf. Dort werde ich Immermann von Ihnen erzählen und auch was Sie ihm gesagt wünschen, in zarter Weise mittheilen.

Mit mir ist einiges vorgefallen, was mich sehr angegriffen hat. – Indem man dem Prediger Daub die mir angehörige Pfarrstelle an unserer hiesigen evangelischen Kirche angewiesen, bin ich nach ganz unrichtiger Angabe beim geistlichen Ministerii (mit Beibehaltung meines Consistorialpostens) als Pfarrer emeritirt worden. Ich habe gleich protestirt. – Schon wollte ich deshalb nach Berlin reisen. Wie hocherfreulich wäre es dann, Sie dort zu sehn und ganz in Ihrer Nähe zu leben! – Ja, so sehr, daß mir dieser herrliche Umstand jenen Vorsatz sehr verstärken und beleben könnte! Auf einmal durchströmt mich schon Leben und Wonne! – O, daß Sie so weit entfernt sind! – Es ist in Münster jetzt viel schöner als früher, und eine auch für mich neue Menschenwelt, mit wenig Ausnahmen. Sie fänden hier gewiß ein freies Leben. – Freundin Engels, die einen großen schönen Handel zum Besten der Armen führt, und hier zahlreiche Verbindungen hat, grüßt tausendmal. – Wie ungern endige ich! Aber die längsten Briefe würden nicht ausreichen zu sagen, wie sehr, wie mit der gefühlvollsten Liebe, Sie, Liebenswürdige, umfaßt, und Ihr ganzes Wesen sich anschmiegt

Ihr treu ergebener

Möller.

In der That, liebe Freundin, es scheint ein guter Vorschlag, daß Sie hierher kommen. Der Adel ist freilich immer auf dem Lande. Unter denen vom Militär sind treffliche Familien, so grade jetzt von Felden, Pfuel's, Grabowsky u. a. m., mit denen wir auch Umgang haben. – Sie können nichts ersinnen, was Ihnen hier unangenehm sein könnte. Und mir ginge ein Morgenstern auf, ein neuer Himmel und eine neue Erde! Wie wollten wir so wonniglich zusammensein! O, bedenken Sie dies Wörtchen und erwägen Sie es in Ihrem feinen und guten Herzen, und fixiren Sie sich nicht ganz und gar an der Potsdamer Chaussee 38, die ich übrigens doch auch gern sähe! Ich fasse Ihre lieben Hände mit Kuß und Gruß!