20.

Münster, den 4. August 1839.

So eben, holde Freundin, wird mir durch die Engels die Nachricht, daß Sie in eine weite Ferne reisen, und wohl auch künftighin in andern Regionen weilen werden. – Das hat mir eine Thräne in's Auge gerufen. – Ich schmiege mich Ihnen an, als ob ich Sie halten könnte und drücke Ihnen tausendmal küssend die lieben Hände. – Ach, wann sähe, wann fände ich Sie wohl wieder! – Wie könnte ich je aufhören, nach Ihnen zu verlangen, mit meinem Herzen je ferne von Ihnen sein! – Wundersam, wie so unablässig Ihr Wesen mich anzieht. Irgend einmal werde ich doch erfahren, in welchen glücklichen Gefilden Sie weilen; wo Sie durch Ihr Walten, durch Blick und Wort, Güte und Liebe, Anmuth und Liebreiz Herzen erfreuen! – O, wie danke ich Ihnen, daß dies alles so vielfach durch Sie mir geworden. – Möge der Himmel Ihnen durch lauter Liebes, Gutes und Schönes dies alles vergelten! – O, wenn Sie in einer lieblichen Natur, Ihrem Bilde ähnlich – in der Abendröthe, in einer Sternennacht, auch meiner noch einmal gedächten, und in dem sanften Schauer, der Ihre Seele durchdränge, die Herzensnähe eines Freundes ahnten, der so sehr Sie liebt! – Gott befohlen! Holde Freundin! Süßes Leben!

Der Ihrige

Möller.

21.

Münster, den 21. Mai 1840.

Ein wunderschöner Moment des Lebens, Theuerste, ist mir geworden durch Ihr überraschendes, so eben bei mir eingetroffenes, herrliches Schreiben! Ich fühle mich davon wie von einem Nectar berauscht. Sie immer noch in den Gärten der Hesperiden mir denkend, wo ich mich so oft Ihnen nahe geträumt, wird mir auf einmal der Anblick der Züge Ihrer holden Hand, – zweifelnd, ob ich meinen Augen trauen dürfe, bis die Lösung des Siegels Gewißheit gab. Ich muß es Ihnen offenbaren, daß ich bei der Eröffnung Ihrer Zeilen in den ersten Augenblicken mehr geküßt, als – gelesen! Hocherfreut über die treue Freundin, die kaum von den Apeninnen und Alpen zurückgekehrt, sofort auch schon des alten Freundes nicht nur gedenkt, sondern auch alle genossenen Wonnen mit ihm theilt! O, wie dankbar wallt das Herz! Eine so schöne Bewegung hat es lange nicht erfahren!

Ist es nur ein Traum, Elise?

Jeder Hain und jede Wiese