26.
Münster, den 14. April 1843.
Eben, holdselige Freundin, geht die Morgensonne auf und verklärt mein Gärtchen, aber auch, und mehr noch, meinen Sinn, mein Herz und Gemüth. Denn ich habe Muth gefaßt, Ihnen zu schreiben. Emil Krummacher, Prediger in Duisburg, Sohn meiner Schwester in Bremen, Bruder des Fritz Krummacher zu Elberfeld, der im vorigen Jahr Ihnen einen Besuch zu machen so glücklich gewesen, zieht in diesen Tagen nach Berlin, den König einer Kirchensache wegen zu sprechen. Diesem will ich dies Blättchen geben, es Ihnen zu überbringen. – Daß ich so lange habe schweigen können, möchte ich die Götter befragen. Und doch gehören Sie zu einem meiner herrschendsten Gedanken, und wird dies auch nie bei mir aufhören. Sie sind mir auf dem Wege meines Lebens eine so theure, unvergeßliche Erscheinung geworden, daß es keiner Schriftzeichen bedarf; sie reichen nie hin, mein Innerstes auszudrücken; ein holder Genius aus einer schöneren Welt sind und bleiben Sie mir. – O, lassen Sie mir den unentbehrlichen Trost, daß Sie mir zugethan bleiben! Mehr als ich auszudrücken vermag,
Ihr ergebener
Möller.
27.
Münster, den 28. August 1844.
Unmöglich ist es mir, hochgeliebte Freundin, meinen sehr werthen Freund, Consistorialassessor Daub, (Prediger an der hiesigen evangelischen Kirche) nach Berlin zum dortigen Gustav-Adolphverein abreisen zu lassen, ohne ihm ein Wörtchen an Sie mitzugeben, ohne ihn zu bitten, den Muth zu fassen, zu Ihnen zu eilen, daß er meinen Liebes- und Friedensgruß Ihnen bringe, und mir dafür einen Abglanz Ihres holden lieben Wesens zurückgebe. Wie mit erneuerter Liebe werde ich seiner mich freuen, wenn er von Ihnen zu mir gekommen ist. Ich glaube an eine Welt, wo Alles vergolten, an ein Unvergängliches – schon darum, weil meine Liebe, mein Vertrauen, meine Sehnsucht – nach Ihnen, Ihrem Herzen und Wesen schlechthin unveränderlich und unvergänglich ist. Sobald Ihr liebes Bild in mir lebendig wird, ergreift mich ein wundersam schönes Gefühl, dem ich keine Abnahme, kein Ende wünschen möchte. – Sie lächeln wohl eines solchen Bekenntnisses? Wie sollte ich es aber verhehlen! Es ist mir ein gar zu süßes Bedürfniß, es auszusprechen.
Eine völlige Unmöglichkeit wäre es jetzt für mich, mit Herrn Daub mich aufzumachen, bei der Eile, womit gereist werden muß – bei hiesiger äußerster Geschäftigkeit, und bei der Sündfluth des Regens, obwohl ich mir es für Augenblicke romantisch denke, Ihnen zur Seite, auch über den Weltocean in einer Noah'schen Arche zu segeln. –
Meine einzige, herzlichtreue Schwester, Eleonore Krummacher zu Bremen habe ich durch den Tod verloren, was eine Wehmuth über mein ganzes noch übriges Leben bringt. Es ist dadurch auch die ohnehin geschwächte Gesundheit meines Schwagers so stark angegriffen, daß er es schwerlich überwinden wird. Mit diesem Schwager, dem Dichter und Schriftsteller, habe ich das Schönste auf Erden genossen – vollkommene Freundschaft! Diesen Engel des Lebens habe ich in allen seinen Seligkeiten kennen gelernt, so daß ich schon deßhalb sagen darf: Ich habe nicht umsonst gelebt!