Berlin, den 8. Mai.

O, meine liebe, theure Freundin!

Wenn Sie wüßten, welch ein leidendes Leben ich seitdem führte – ich bin so nervös seit ein paar Monaten, daß ich wie im Fieber lebe!

Während ich oft zwei, dreimal des Tages mit Ohnmacht ringe – kommen dann Stunden dazwischen, die mich täuschend gesund sein lassen!

Was mich nicht ergreift, mit fortreißt, habe ich nicht, denn ich bin so geistesmatt, daß ich nur nachgebe!

Aber unserer alten Liebe glauben Sie es gewiß, daß ich mich nach Ihnen sehnte, wie nach warmer Sommerluft – und daß ich oft dachte, wüßte sie es doch – sie käme! Nun wollen Sie mich haben – und ich komme jedenfalls ein paar Stunden, wenn ich auch etwas früher fort müßte. – Denn zuweilen halte ich es nicht aus. –

Wilhelm ist nicht zu Hause – ich theile es ihm gleich mit, und er wird so gern kommen.

Nicht wahr – eine große Gesellschaft haben Sie nicht?

Vergeben Sie diesen verworrenen Liebesbrief, wie viel behalte ich zurück!

Ihre