Liesel. Na siehst, wann d' es wissen möchst, mußt d' mich schon anhörn.
—Geh, ich führ dich.

Grillhofer. A na—na—konn schon no selber gehn. (Geht, von Liesel geleitet, zum Sorgenstuhl, setzt sich.) No, so verzähl halt! Hätt net denkt, es verinteressieret mich noch was, aber dös is doch bsunders—ja, ganz bsunders!

Liesel. Nöt wahr? Dös find ich a! Is a gscheits Weib sunst, die Mahm—mirk a nix, sie war af amal irr wordn, aber da kenn ich mich a neamer mit ihr aus!—Also ich kimm z' Haus, sag ihr, du hättst mich ausgjagt, hoaßt s' mich a ungschickte Gretl; wie ich aber sag, du wölltst wohl morgn mit 'n Dusterer nach der Kreisstadt fahrn, ihm 'n Hof übergebn, da war's aus, no gleich hat der Müller einspannen müssen, gegen Geld und gute Wort, herfahren hab ich müssen, daß ich.ja vor der Fruh da bin—umarmt und bußt hat mich die Mahm beim Wegfahrn, als wann a Abschied auf ewige Zeiten war! Und gar no ein Brief hat s' mir gschriebn.

Grillhofer. Dir?

Liesel. Jo, an dich!

Grillhofer. Ah so, no, so gib. Dös kimmt allweil verwunderiger!

Liesel. (zieht den Brief aus ihrer Joppe). Und ich sollt machen, daß d'n heunt no les'st, und für dich solltst 'n vorerst lesen, hat s' gsagt. (Gibt ihm den Brief.)

Grillhofer. No, so lesn mer 'n halt. (Schiebt den Schirm der Lampe in die Höhe.)

Liesel (geht zum Fenster und blickt hinaus).

Grillhofer (entfaltet den Brief und liest). "Lieber Grillhofer! Mit schweren Herzen schick ich Dir a Anvertrauts zruck, doch steht Dir frei, wann D' den Brief glesen hast, ob Du's als das Deine anerkenne willst, sunst nimm ich's mit Freuden wieder an mich! Ich mein, ich brauch mich net z' schämen, wie ich Dir's zuschicke. Dö Dirn, was heunt zun zweitenmal bei Dir einspricht, is im Deckerl in mein Haus bracht wordn, weil s' Dein Weib net hat auf'n Hof vor Augen haben wolln, aber es war ihr Meinung, wann a rechtschaffen Gschöpf aus ihr wordn wär, sollt ich Dir's zuschicken. Lang hab ich mir dös verspart, aber ohne Schaden für sie könnt ich's hizt nimmer bei mir verhalten. Dö Dirn heißt nach ihrn Rufnamen Horlacher-Lies, weil s' von klein auf bei mir war, hat bis heunt für vaterund mutterlos golten und weiß's selber net anders; nach'm Kirchbuch heißt s' Elisabeth Riesler und is, wie dö Magdalen ausgsagt hat, Dein Kind!! Es grüßt Dich und laßt Dir Dein'n freien Willn dö alte Horlacherin." (Legt den Brief vor sich auf den Tisch und hält sich den Kopf mit beiden Händen.) Oh, du mein Gott, is mer denn recht? Steht's wohl a a so da?