Reindorfer wischte sich mit dem Ärmel über die Augen, er löste sanft die Arme des Mädchens, die ihn um den Hals gefaßt hielten. „Nur gescheit! mein Dirndl, nur gescheit! Und flink, Dirndl, flink, sonst kommst heut doch nimmer an Ort und Stell’.“
„Nun, so behüt dich Gott, Vater. Und gelt, du hast mich halt doch gern? Ich bitt’ dich um aller Heiligen willen, schau nur, daß du mir brav gesund bleibst, und daß es dir gut geht. Und gelt, nachschauen darf ich dir manchmal? Und schreiben auch? Bleib nur gesund, — ich will schon fleißig für dich beten!“
So waren beide Hand in Hand aus dem Garten und über den Hof gegangen, der alte Mann hatte dabei dem Mädchen auf jede Frage nur wiederholt freundlich zugenickt: jetzt standen sie vor dem Tore.
„Und jetzt ist es wohl ernst,“ sagte die Dirn’. „Ich werd’ dir keine Sorge machen, Vater, mach’ mir auch keine. Behüt dich Gott vieltausendmal, behüt dich Gott!“
Er aber lächelte sie an, legte ihr noch einmal die Hand auf den Scheitel und nickte dazu, zum Reden konnte er keinen Atem finden. Sie ging und sah oft zurück, und immer nickte er wieder und winkte mit der Hand, und als er das Mädchen nicht mehr sah und die Rechte sinken ließ, da fühlte er sich daran gefaßt und gehalten.
Die Bäuerin stand neben ihm.
„Sie ist fort,“ sagte sie weinend, „jetzt ist sie fort und wir allzwei sind darüber alt geworden. O, tu du mich nur nicht ganz verlassen!“
Sie preßte seine Hand in der ihren, er hätte sie ihr entreißen können, wenn er gewollt hätte, der Leute wegen brauchte er nicht an sich zu halten, es war niemand weit und breit, der auf sie gesehen hätte. Er sah nach ihr, wie sie gebrochen und scheu neben ihm stand und leise gab er den Händedruck zurück. Es war das erstemal seit jenem Tage vor achtzehn Jahren, daß sie wieder Hand in Hand nebeneinander standen.
Das Weib aber fühlte sich bis in das Innerste so krank und elend, seit die Scham vor ihrem eigenen Kinde auf ihr lastete, daß sie ganz wohl wußte, sie hatte von ihrem Manne nichts erbettelt, als Schonung für ihre wenigen Tage, und in diesem Sinne sagte sie: „Ich dank’ dir, Joseph, sei nur eine kleine Weile noch gut mit mir!“