Der Grasbodenbauer fuhr mit der Hand nach dem Ohr, er streifte dabei die Krempe seines Hutes, jetzt erst nahm er ihn ab und strich sich die Haare aus der feuchten Stirne. „Hast nit unrecht,“ sagte er, „aber vermeint ist dir’s einmal und behalten mußt du’s! Und mit der Zeit schickt sich wohl a Zeit, wo du’s auch wirst tragen können; b’halt’s nur auf bis dahin, wer weiß, wofür’s gut is, aber z’ruckweisen darfst’s nit, da tät’st mein’m guten Willen übel.“

„So sag’ ich vergelt’s Gott für den und fürs G’schenkte.“ Magdalene trat an ihn heran und haschte nach seiner Hand.

„Beileib’,“ sagte er, „wirst mir doch nit wollen die Hand küssen, wo ich dir bring’, woran dir d’ Freud’ aufsparen mußt?! Ich hab’, Gott’s wahrhaftig, Schick und Brauch ung’fragt lassen und einkauft, als ob’s für die Bäuerin wär’; no, mein, ’s schwerst’ Teil, was einer solchen aufliegen könnt’, hast ja du auf dich g’nommen,“ — er nickte gegen Burgerl — „verstehst mich wohl? Aber nun laß schau’n, ich möcht’ wohl probier’n, wie das Zeug paßt, ob ich mich in der Halsweiten nit verschaut hab’ und ob ’s G’schloß fix schließt.“ Er legte ihr das Korallenband um den Hals und mühte sich, dessen Enden zusammenzupassen; bald begannen seine Arme zu zittern und er ließ beide Hände einen Augenblick auf den Schultern des Mädchens ruhen, dann hob er sie hastig und brachte es mit einem Griffe zu Ende. Der Dorn sprang ein. Tief aufatmend richtete sich der Bauer in die Höhe und da stand er knapp an der Dirne und da ließ er die eine Hand über dem vollen Nacken liegen und mit der Rechten drückte er ihr Köpfchen an seine breite Brust, sofort aber sanken ihm die Arme nieder. „Hab’ kein Arg,“ sagte er. „Gute Nacht!“ Eilig verließ er die Kammer, man hörte, wie er über die Treppe hinabgelangte, unten seine Stubentür öffnete und schloß und dann mit starken Schritten im Gemache auf und nieder ging.

Während unten der Mann ruhelos auf und nieder schritt, stand oben das Mädchen eine geraume Weile, ohne sich zu regen. Es war ihr ärgerlich, daß sie ihm seinen Gutenachtgruß nicht zurückgegeben, um ihm zu zeigen, daß sie in der Tat kein Arg habe; wenn er ihr merken ließ, daß er ihr gut sei, so war er es ja doch nur — das wußte sie — Burgerls wegen — — —

Das Geknarre einer Lade, die Burgerl aus dem Schrank zog, um ihren „Kirchtag“ aufzuheben, schreckte sie auf und sie sagte lächelnd: „Laß offen, ich leg’ das Meine auch gleich dazu.“ Sie entledigte sich des Geschmeides, faltete das Tuch zusammen. „So, da bleib mir fein liegen und komm mir nit weg. Bist ja mein G’schenktes vom Grasbodenbauer. — Sag mal, Burgerl, — wie lang ich schon bei euch bin, weiß ich dein’ Vater nit anders zu nennen — wie tut ihr euch denn schreiben?“

„Ist kein Geheimnis,“ lachte die Gefragte, die sich mittlerweile entkleidet hatte. „Ich schreib’ mich Walburga Engert.“

„Und dein Vater?“

„Kaspar,“ sagte Burgerl und schlüpfte unter die Decke.

Plötzlich verstummten die Tritte in der Stube unter ihnen, mit einem Schlage ward es stille. „Horch,“ rief Leni, sie ging nach der Tür, öffnete diese und lauschte. „Es wird ihm doch nix zug’stoßen sein? Er is ’s nit g’wöhnt ...“

Das war, als der Bauer vor dem offen stehenden Fenster innehielt, einen tiefen Atemzug tat und murmelte: „Keine Dummheiten, Kaspar! Häng keinen Dummheiten nach.“ Dann nahm er seinen Gang wieder auf.