Burgerl griff nach den zerdrückten Kartons. „Ich mein’ nur, da werden jetzt mehr Stück drin sein, als du gekauft hast.“
„Nein,“ sagte der Bauer, „es is nix Gebrechlich’s — wenigstens, ich hoff’ nit —“
„Das is ’s Mein’!“ schrie Burgerl freudig auf, als nebst einem Schmucketui ein Schildpattkamm aus den Falten eines buntseidenen Tuches fiel, das sie aus der einen Schachtel hervorgeholt hatte. „Und das is das Dein’,“ sagte sie, die andere uneröffnet Magdalenen aufdringend.
Der Bauer nickte.
Die Kleine klappte das Etui auf, es enthielt ein goldenes Kreuzchen an dünner, feingliederiger Kette. Das Kind starrte die Herrlichkeiten erst stumm an, dann nahm sie das Kettchen um, steckte den Kamm auf, band das Tüchelchen vor und sprang auf den Vater zu: „Jesses und Joseph, Vater, was tu’ ich dir denn z’lieb’, weil d’ dich so viel brav eing’stellt hast?! Na, vergelt’ dir Gott dein G’schenktes und laß dir die Hand küssen und noch einmal extra dafür, daß d’ mir mein’ vielschön’ Kamm nit verbrochen hast.“ Sie küßte und tätschelte seine Hand und rief unterdem zu Leni hinüber: „Na, schau doch das Deine.“
Magdalene hob verlegen den Deckel ab, ein seidenes Halstuch lag auch da oben auf.
„Der Krämer sagt, es wär’ rechtschaffene Seiden,“ bemerkte der Grasbodenbauer mit einer Stimme, als machte er ein Geständnis, das ihm schwer fiele.
Unter dem Halstuche befand sich ein Etui mit einer Schnur gehackter Korallen, vorne künstlich in Zacken vernestelt und rückwärts durch eine starke Schließe zusammengehalten. Magdalene stand erschreckt. „Das kann ich nit annehmen, Bauer,“ stammelte sie.
„Willst mich beleidigen?“ brauste der auf.
„Um d’ Welt nit,“ sagte sie, „aber sei g’scheit, das is all’s z’viel, wie käm’ ich dazu und was tu’ ich damit? Mein Sonntagsg’wand schauet daneb’n ein’ Hadern gleich, und wenn ich auch hätt’, was zu selb’m G’schmuck taugt — ich frag’ dich, ob sich wohl ziemen möcht’, daß ich mich so trag’?“