„Mach Schulkinder fürchten,“ sagte Florian und schritt, ihn im Auge behaltend, gegen den kleinen Wiesenfleck vor, der sich vor der Tannenlichtung befand.

Der Leutenberger folgte ihm mit raschen Schritten. „Dafür sollst du jetzt einen Gedenkzettel für all dein Lebtag abkriegen,“ sagte er und warf sich auf ihn.

Das Mädchen drückte sich an die nach dieser Seite hin kahle Mauer des Häuschens und sah mit furchtsamen Augen und gefalteten Händen nach den beiden Männern.

Der Kampf war ohne Übereinkommen aufgenommen und wurde auch ohne alle Regeln geführt, in der ersten blinden Erbitterung hielten sich die beiden Gegner vollkommen die Wage, aber das brachte eben den Leutenberger zu sich, er wehrte ab und wartete zu, plötzlich ersah er seinen Vorteil, warf seinen Widerpart zur Erde, blitzschnell sprang er hinzu, wie ein wildes Tier, trat ihn mit Füßen, warf sich über ihn und schlug ihn, war ebenso rasch wieder auf den Beinen, um ihn aufs neue zu treten, und über ihm, um ihn zu schlagen.

Das Mädchen war herbeigerannt und umkreiste ratlos, weinend und schreiend den auf der Erde liegenden Mißhandelten.

Florian schrie vor Schande, Wut und grimmem Schmerz auf, er wäre ohnmächtig zusammengebrochen, hätte ihn nicht ein Gedanke bei sich erhalten und mit übermenschlicher Kraft begabt, der Gedanke sich zu rächen, es koste, was es wolle! — Dort hinter der Lichtung mußte abschüssiger Boden sein, — da hinab über Geröll und spitze Kanten mit einem gekollert und der bleibt am andern Ende wohl auch ruhig neben liegen und läßt Rühmen und Raufen eine Weil’.

Er umschlang seinen Gegner und mit einem Schwunge rollten sie bis zur letzten Tanne.

Aber der Leutenberger hatte plötzlich von ihm abgelassen und mit beiden Armen in die Luft gegriffen. „Da nicht hin,“ brüllte er, „da nicht hin, da hört der Boden auf!“ Er lag kreidebleich unter Florian und hielt eine dünne, glatte Wurzelgerte der Tanne krampfhaft mit beiden Fäusten umspannt.

Er sprach nur zu wahr, keine drei Spannen trennten sie von einem Abgrunde, eine unvorsichtige Bewegung und er nahm sie auf.

„So,“ sagte Florian, und obwohl er vor Schmerz die Zähne übereinander biß, verzerrte doch ein eigentümliches Lächeln sein Gesicht. „Dann geht es doch ein bißchen tiefer als ich gedacht habe. Kann mir gleich sein! Du hast mich vorhin zuschanden getreten, Leutenberger, wie ich nie eine Katze! Hast du gemeint, ich werd’ siech auf der Welt herumkriechen und von dir mit Fingern nach mir zeigen lassen?! Nein, Himmelhund, elendiger, das siehst nicht und die nächste Sonn’ auch nimmer! Komm mit!“