„Wer? Kennst du ihn denn!“ fragte erstaunt der Leutenberger.
„Seit du mich nicht in Ruhe läßt,“ sagte das Kind mit scharfer Stimme, „habe ich tagtäglich zu Gott gebetet, er möchte einen starken Engel vom Himmel schicken, der dich klein,“ — die schwachen Fäuste ballten sich —, „ganz klein macht! Und der ist nun da!“
„Nun, ein Engel ist es just nicht,“ lachte Urban, „es ist nur ein Müllerssohn von Langendorf, und was das Kleinmachen anlangt, so denk’ wohl ich das zu treffen.“
„O nein!“ schrie heftig das Mädchen.
„O ja. Hinlegen will ich ihn dir, daß du selbst deine Freude daran haben wirst.“
„Hinlegen, du ihn?“ kreischte außer sich die Kleine auf. „Sieh’, so und so wird er es dir machen!“ sie schlug den Leutenberger rasch ein paarmal mit den geballten Fäusten in das Gesicht.
„Ho,“ rief der, „so gefällst du mir, komm mit;“ Er schlug das Röckchen dem Mädchen über die Füße, preßte dessen Arme an sich und trug es wie ein Wickelkind hinweg.
Das Kind schrie jammernd auf.
Da fühlte sich der Leutenberger am Arme ergriffen. Florian stand vor ihm und sagte: „Setz’ das Kind nieder! Also so ein Kriminalkerl bist du? Setz’ das Kind nieder, sag’ ich!“
Der Leutenberger hatte nicht die Absicht, das zu tun, aber unter dem immer stärker werdenden Drucke mußte er sich unwillkürlich beugen, das Kind kam auf die Erde zu stehen und er ließ es los. Vor Wut stammelnd sagte er: „Dich hat auch dein Unglück hinter mir her getrieben!“