Da zeigte sich etwas Weißes im Fenster und ein feines Stimmchen sagte trotzig: „Was willst du mir denn? Was kannst du mir denn wollen?“
Der Leutenberger aber griff mit beiden Armen zu und hob das Weiße, leicht wie eine Feder, heraus und setzte es neben sich auf die Bank.
Florian sah mit Erstaunen ein Kind, ein völliges Kind vor sich, ein Mädchen von etwa dreizehn Jahren, mit verweinten Augen, barfuß, im Hemd und Unterröckchen. Es war allerdings ein hübsches Kind mit reichen blonden Flechten um das milchweiße Gesichtchen, in welchem, seltenerweise, tiefschwarze Augen brannten.
„Steh Gott mir armem Weib bei, daß ich nicht irr’ werd’ an ihm!“ rief mit bebenden Mundwinkeln das alte Mütterchen. „Ein Enkelkind hast du mir blutrünstig geschlagen, willst du mir jetzt noch das andere gar zugrunde richten?! O, du elender Leutschinder und Kinderverderber, daß du doch die nächste Sonn’ nimmer sehen möchtest!“
„Schimpf’ dich nur aus, Alte,“ lachte Urban, „später reden wir uns dann leichter.“ Er wandte sich zu dem Kinde. „Was ich dir will, meinst du? Was werd’ ich wollen? Dich herzen, weil du mein kleiner Schatz bist.“
„Ich will dein Schatz nicht sein.“
„Oho, warum gerade du nicht? Da sitzen noch andere Dirndeln in der letzten Klass’ neben dir auf der Schulbank, die mir freundlich waren, frag nur nach, die sind stolz darauf, daß ich mich mit ihnen abgegeben hab’, denn weißt, Everl, ich bin der Stärkste im Land!“
Das Kind lachte gehässig auf. „Mein Bruder, den Toni, zu schlagen, der nicht fünf Jahr’ älter ist, dazu hat wohl der Stärkste im Land hermüssen?! O, wär’ der Bub’ nur nicht halbwüchsig gewesen!“
„Hätt’ er sich nicht eingemischt zwischen uns, so wär’ es ihm nicht übel ergangen; daß ich aber mit ganz anderen fertig zu werden verstehe, das kannst du morgen mit ansehen, da ist einer heute ins Ort gekommen, der es mit mir aufnehmen will.“
„Gekommen ist einer?“ fragte das Mädchen. „Er ist also schon da —, er ist schon da!“ Sie drückte beide Arme vor Freude an sich.