„Was ist’s? Mach das Fenster auf! Durch die Scheiben versteh’ ich dich mit keinem Laut. Mach schnell, sonst heb’ ich dir gleich allssamt mit dem Fensterstock aus!“

Das Fenster wurde geöffnet.

Innen stöhnte eine männliche Stimme schwer auf: „O du heiliger Herrgott in deinem Himmelreich oben, ist das auch recht, daß ich da daniederliegen und das mit anhören muß!“

„Ich mein’, du könntest es noch verspüren, wozu dir dein Aufsein verhelfen möcht’,“ bemerkte roh der außen.

„Anton, ich bitt’ dich, sei ruhig, sei nur du ruhig,“ sagte das Weib in der Stube, dann zeigte es sich an dem Fenster, es war ein altes Mütterchen, das ängstlich nach der Hand des Davorstehenden griff. „Der Urban will uns wohl nur Angst einjagen, gelt ja!“

„Dir will ich nichts, Alte, scher’ dich fort. Everl, komm her!“ Der ungeschlachte Mensch rief das mit leiser Stimme, fast zärtlich, als ihm aber nicht alsbald Folge geleistet wurde, sagte er heftig: „Ich rate dir gut, Everl, komm her!“

„Geh nicht,“ schrie innen aufgeregt die männliche Stimme, „geh nicht, mag werden, was da will! Es wird doch noch Recht auf der Welt zu finden sein, es wird sich doch für den auch noch ein Oberer finden! Wir wollen in Ruh’ bleiben. Großmutter, du gehst morgen nach dem Gendarmeriekommando!“

„Da soll sie nur hingehen, einsperren könnt ihr mich schon lassen, aber auf ewig wird es nicht sein, und wenn ich wieder loskomm’, ist mein erster Gang da her und da will ich so hausen, daß kein Mensch mehr erkennen soll, was einmal auf dem Fleck gestanden.“

„Ich geh’ ja nicht,“ sagte besänftigend das Mütterchen, „ich geh’ ja nicht hin. Ich weiß schon, daß dir dein Respekt gebührt und sich niemand einzumischen hat. Du bist halt stark, so viel stark, daß du dich manchmal vor lauter Stärke nicht ausweißt, was du anfangen sollst! Ja, ja, man kennt noch keinen, der dir was verwehren möcht’, aber warum willst du es gerade auf uns absehen? Wir haben dir doch nie einen Anlaß gegeben. Schau, Leutenberger, da sind andere, die dir immer übel gewollt haben, denen tu etwas an, das kann dir doch selber mehr anliegen.“

„Halt das Maul,“ sagte der Leutenberger, „ich versteh’ dich schon, aber auf Schmeicheln und Hetzen hör’ ich nicht; zum letztenmal jetzt im guten, Everl, komm her!“