Es war Neumond, aber die Nacht war sternenhell, wenige einzelne Wolken zogen langsam dahin und verdeckten hie und da am Himmel auf weite Strecken die brennenden Lichter, aber auf Erden blieb die Helle gleich. Ein hoher Berg lag vor den beiden nächtlichen Wanderern, der Wald erschien undeutlich, nur einzelne Bäume an den Rändern der Zacken und Höhen hoben sich ab, das andere war ein unentwirrbares Ganzes und es sah aus, als wäre der Fels mit riesigen Moosfeldern bewachsen, dagegen traten die nackten, schroffen Stellen fast leuchtend hervor, in der halben Höhe stand eine kleine Hütte, wohl erst mit frischem Anwurf versehen, denn sie glänzte kreidebleich in die Nacht hinaus.

Der Leutenberger Urban begann den Berg hinanzusteigen, bald mußte er im Schatten der Bäume verschwinden, Florian beeilte sich darum, ihm näher zu kommen, sie waren in Rufweite, als der erstere in der Nähe des Häuschens stehen blieb und Atem schöpfte: ein paarmal schon hatte er sich umgesehen, auch plötzlich im Gehen innegehalten, damit sich der Nachschreitende durch seine Tritte verraten sollte, aber der war zu sehr auf der Hut.

Da standen sie nun vor dem Häuschen, ein niederer Zaun vor demselben schloß ein kleines Gärtchen, ein wenig Ackergrund und etliche Waldbäume ein, er sollte das dürftige Besitztum wohl nicht schützen, sondern nur umfrieden, damit die Eigner mit einem Blick das Ihre überschauen konnten, sei es, um sich zu getrösten mit dem was sie hatten, oder stets vor Augen zu haben, wie arm sie seien. Unmittelbar hinter den Tannen, die bei dem Häuschen eingefriedet waren, zeigte sich eine Lichtung.

Im Gärtchen war eine Laube mit Bohnen und anderen Schlingpflanzen wirr durcheinander dicht bewachsen, sie ließ die Mauerseite der Hütte, an der sie knapp anstand, frei und ein Fenster der einen einzigen Stube befand sich unter ihrem Blätterdache; der Leutenberger war über den Zaun gestiegen und dort untergetreten, das machte Florian Mut, an einer anderen Stelle überzusteigen und sich ganz nahe heranzuschleichen.

Der Urban klopfte mit derber Faust an die Scheiben.

„Jesus, Maria,“ rief innen ein Weib. „Wer ist’s denn?“

„Ich bin’s, der Urban. Hab’ ich nicht gesagt, ich komm’ heut? Da bin ich nun, laßt die Everl an das Fenster treten.“

„Die Everl ist nicht daheim, — wir haben sie fortgeschickt, — nach Bergdörfl halt haben wir sie zur Verwandtschaft geschickt.“

„Wenn es wahr wär’, so holte ich mir meinen kleinen Schatz auch von dort und das möcht’ mir wohl keiner wehren. Ihr kennt den Leutenberger Urban noch nicht, wenn er sich was in den Kopf setzt! Aber ich weiß, sie ist heim, der Halterbub’ hat für mich aufpassen müssen, seit sie mit dem Schulzöger herein ist, ist sie nicht aus der Hütte gekommen.“

„Sie ist krank.“