Das schien den auf der Straße zu verdrießen, er drehte den Schnurrbart heftiger und nach einer Weile sagte er, während sein Gesicht durch die lauernd zusammengekniffenen Augen und den breitgezogenen Mund ein unsäglich gemeines Aussehen bekam: „Ist es wahr, was ich gehört hab’? Seit ich das letztemal da war, ist eines mehr auf dem Reindorferhof geworden.“

Da riß der Bauer mit einem Ruck den Rechen an sich, alle Muskeln in den Armen krampften sich ihm zusammen, die Adern an der Stirne traten hervor und die Wiese zerrann vor seinen Blicken, nur ein roter Fleck verblieb aufdringlich in seinem Auge, er besann sich, die Farbe trug der Rock seiner Tochter, und indem er sich besann, sah er auch wieder diese selbst, seinen Buben und den Knecht, die in geringer Entfernung von ihm gleichmütig fortarbeiteten; da ließ er den verhaltenen Atem von sich, handhabte wieder seinen Rechen, und indem er sich dabei dem Zaune etwas zukehrte, warf er über seine Arbeit weg dem Urlauber einen einzigen Blick zu; aber es war jener Blick, dem selbst der Unverschämteste nicht standhält, jener Blick, der dem Beleidiger sagt: Die Unbill ertrag’ ich, aber dich nicht!

Langsam entfernte sich der Urlauber, und erst, als er sich außer dem Gesichtskreise Reindorfers wußte, schritt er rascher auf dem Wege nach der Mühle hin.

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Auch in der Mühle waren, wie den Tag zuvor im Reindorferhofe, die Fenster verhangen. Das Licht tut dem Menschen wehe, wenn er zur Welt kommt und wenn er von ihr geht, er muß es erst gewöhnen und er muß seiner entwöhnt werden, denn aus dem Dunkel kommt er und in das Dunkel soll er wieder; das Licht ist ein armes Geschenk, es scheint ihm nur gegeben, um sich von der Wiege in den Sarg zu finden, die kurze Strecke dahin wirft es nur schwanke, zitternde Kreise auf die Welt, und keiner weiß, wo hindurch eigentlich sein Weg gegangen.

Der Pfarrer und der Notar waren am frühen Morgen angelangt.

Der Notar war ein kleines, bewegliches Männchen, er schien gerne eine gewisse Feierlichkeit zur Schau zu tragen, ging stets in schwarzer, städtischer Kleidung, und einer ziemlich hohen, steifen, tadellos weißen Halsbinde verdankte er die würdevolle Haltung seines Kopfes, derselben wurde durch dessen Kahlheit und die durchwegs rundlichen Züge seines Gesichtes, die ihm ein stets freundliches, wohlwollendes Aussehen verliehen, durchaus keinen Abbruch getan, nur weil die Bauern überhaupt gerne über Brillen lachen und witzeln, so war es ein ziemlich gewagtes Unternehmen von ihm, auf seinen Fahrten über Land farbige kreisrunde Staubgläser mit einer massiven Einfassung zu tragen.

Nachdem sie in die Krankenstube eingetreten waren, legte der kleine Mann einen ihn behindernden Pack Schriften auf ein Tischchen und entfernte für das erste diese ihm nun selbst bedenklichen Gläser; er tat das mit großer Bedächtigkeit, reinigte sie erst sorgfältig mit dem Taschentuche, holte aus den Tiefen eines Rockschoßes das dazu gehörige Futteral hervor, schob sie vorsichtig hinein und steckte das Ganze mit ebensowenig Eile wieder zu sich. Aber er sollte bald aus dieser gemütlichen Verfassung herausgeschreckt werden.

Er trat an das Bett des Kranken: „Nun, Alter, wie geht es denn?“

„Dank’ der Nachfrag’, ich bin schier völlig gesund.“