Ein Wagen kam jetzt in raschem Trabe angefahren, Reindorfer lief vor das Tor und sah nach demselben aus, es war schon der rechte, der Knecht von der Mühle kutschierte, zwei Herren saßen hinter ihm, der eine war der Pfarrer und auf den andern besann er sich nur so lange, bis sie etwas näher kamen, er hatte ihn oft in der Gegend herum gesehen, es war der Herr Notar aus der Kreisstadt. Er nahm die Pfeife aus dem Munde und trat hinzu und grüßte.

„Guten Morgen, Reindorfer,“ sagte der Pfarrer, „will Er mir etwas? So sage Er es nur schnell, wir haben Eile.“

Reindorfer legte die Linke auf den Kutschensitz und ging neben dem Wagen, den man etwas langsamer fahren ließ, eine Strecke her. Er brachte sein Anliegen vor, der Pfarrer sagte zu, er dankte und trat zurück und der Wagen schoß wieder in Eile dahin.

Stunden waren darüber vergangen, die Sonne stand schon ziemlich hoch und meinte es gar zu gut. Auf einer großen Wiese, die gegen den Fahrweg abfiel und von diesem durch einen lebenden Zaun geschieden war, rechte der Reindorfer mit seinen beiden Kindern und einem Knechte Heu zusammen. Er ließ gerade den Stiel des Rechens gegen seine Schulter fallen und wischte sich mit dem Hemdärmel den Schweiß von der Stirne, als er über den Zaun gegrüßt wurde.

„Grüß’ Gott, Reindorfer!“

Er fuhr bei dem Klange dieser Stimme zusammen und blickte auf.

Jenseits des Zaunes stand ein Mensch in verwahrloster städtischer Kleidung, eine Lagermütze, die er schief über dem rechten Ohre sitzen hatte, verlieh ihm ein unternehmendes Aussehen und ließ erraten, daß er Soldat gewesen oder wohl noch war. Er mochte über dreißig Jahre alt sein, aber trotz seines herabgekommenen Äußern ließ ihn seine kleine schmächtige Gestalt und der sorglose Ausdruck seines Gesichtes viel jünger erscheinen. Unter der Mütze fiel ihm schwarzes Haar in Ringeln bis in die Stirne, große braune Augen blickten keck in die Welt und unter der geraden Nase mit den scharf vortretenden Nüstern trug er einen Schnurrbart, dessen eine Spitze er eben jetzt durch die Finger zog.

Reindorfer sagte, ohne seinen Gruß zu erwidern: „Du bist wieder da? Lump!“

Der Urlauber lachte. „Ein bißchen höflicher könntest du wohl auch gegen mich sein, wer weiß, was geschieht!? Diesmal haben sie mich extra aus der Stadt gerufen, und wenn die Mühle nun doch an mich käme, dann sollten wir als Nachbarsleute in gutem Einvernehmen stehen.“

Der Bauer kehrte ihm den Rücken und schickte sich an, seine Arbeit wieder aufzunehmen.