„Dasselbe und das der Taufe wegen hätten wir also unter uns ausgemacht, mehr hab’ ich auch nicht zu sagen gehabt und so geh’ ich jetzt wieder, damit ich den Wagen mit dem Herrn Pfarrer nicht verabsäume. Oder weißt du noch etwas?“

Die Bäuerin war trotz ihrer achtunddreißig Jahre noch immer ein hübsches Weib, das wußte sie, auch das, daß Schmerz und Angst ihre Züge nicht verstelle, denn schon als Kind sagten die Leute von ihr, sie könne so schön weinen. Der Bauer stand noch immer knapp an ihrem Bette, er hatte beide Arme sinken lassen und zunächst ihr befand sich seine Linke, schon lange schielte sie danach, als wollte sie des Griffes sicher sein, als er sich nun zum Gehen wandte und sie dabei aus den Augen lassen mußte, während er den Arm ihr etwas zurückte, da faßte sie mit beiden Händen zu, hielt ihn an der Hand und über dem Ellbogen und suchte ihn gegen sich zu ziehen, daß er ihr in das Gesicht sehe. „Joseph, mein Joseph,“ rief sie bittend.

Reindorfer aber riß sich von ihr los, wischte mit der Schürze über den linken Jackenärmel und über die Hand und sagte: „Laß das gut sein! Aus Angewöhnung und aus Scheu vor jedem Aufsehen mag ich mir in meinem Hauswesen nichts verändern, und so muß denn auch vor den Leuten alles beim alten bleiben, wenn du aber meinst, es könnte noch einmal werden wie früher, da irrst du dich groß, das hat vertan für alle Zeit!“

Er ging. Die Tür schloß sich hinter ihm. Seine Tritte verhallten.

Die Bäuerin war mit dem halberhobenen Oberleibe wieder zurückgesunken und lag ohne Laut und Regung.

Er war ja im Rechte!

Ihn zu gewinnen mußte sie wohl versuchen, welch eine hätte auch das nicht versucht? Eine Schwäche für sie hätte ihr ihre eigene verzeihlicher erscheinen lassen. Es kam aber, wie sie selbst gefürchtet hatte, daß es kommen werde. Nun war es auch gewiß.

Und er hatte recht.

Sie schloß müde die Augen und wünschte, sie täte sie nie mehr auf.

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