Da der Bauer und Magdalen’ von zehn Fragen neun nur des guten Einvernehmens wegen stellten, so ärgerte sie das unfreundliche Gehaben des Großknechtes und der Altmagd nicht wenig, aber sie verwanden allen Ärger im stillen und kamen darüber nie zur Sprache, denn das hätte ja ausgesehen, als ob sie sich über falsches Meinen der Leute nicht hinwegzusetzen wüßten, und möchte etwa nur das eine von ihnen an dem anderen irregemacht haben.

Desto eifriger sorgten Heiner und Sepherl dafür, daß das, was man sich bisher nur auf dem Gehöfte zugeflüstert hatte, nun auch auf die Straße und unter die Leute käme, und um die Zeit, da der Tag sich jährte, an welchem Magdalen’ bei dem Grasbodenbauer in Dienst getreten war, erlebten sie die freudige Genugtuung, daß sich schon das ganze Dorf darin gefiel, den Bauer und die Favoritdirn’ mit Spitznamen zu bezeichnen.

Wenn Sonntags der Bauer mit der Dirn’ an seiner Seite — zwei Schritte Raum und die kleine Burgerl zwischen beiden — der Kirche zuschritt, so flüsterte hier einer: „Schaut, da kommt der Vernünftige mit der G’scheiten,“ und dort stob ein Rudel Bursche auf die halblaute Aufforderung: „Macht’s doch ’n G’scheiten und Vernünftigen Platz,“ mit unterwürfigem Gruße auseinander.

Als sich aber das Fest des heiligen Kirchenpatrons jährte und der Bauer Leni und Burgerl nach dem Wirtshause, ja sogar auf den Tanzboden brachte, wo ihm bei seinem Weggehen ein Vierzeiliger nachhallte:

„Vernünftig und g’scheit,

Und tun, was ein’ g’freut!

So vernünftig, o mein,

Möcht’ ich selber gleich sein,“

da wollte der Ruf der „vernünftigen und g’scheiten Zweisiedlerei af’m Grasbodenhof“ schier über das Dorf hinaus sich ausbreiten, denn zu dem Föhrndorfer Kirchtag fanden sich viele aus den Nachbarorten ein, und war jeder darauf aus einen Spaß von hier mit heim zu nehmen. Da auch der Knecht Hiesl von Hinterwalden herübergekommen war, so erfuhr noch in der nämlichen Nacht der Bauer vom Hof auf der weiten Hald’ um die ganze Geschichte.

Der Alte schüttelte den Kopf. Er warf sich die Sache durch die Reuter, das heißt, er siebte davon hinweg, was ihm als böswilliges oder müßiges Geschwätz erschien, aber auch mit dem, was nun verblieb, konnte er nicht zurecht kommen und fand in all der „Vernunft und Gescheitheit“ keinen Sinn.