Burgerl saß, wie gewöhnlich, zwischen den beiden, und als alle eifrig die Löffel handhabten, — wer darauf hielt, besaß seinen eigenen — stieß sie leise mit den Ellbögen rechts und links an und sagte: „Jesses, ich hab’ eure Löffel verwechselt.“
Leni legte den ihren sofort neben den Teller des Bauers.
„Könnt’st auch aufschau’n, dumm’s Ding,“ murrte der, zu Burgerl gewendet, goß die Milchsuppe in den Teller zurück und reichte den Löffel hinüber.
Burgerl zog die Kniee an sich und schlang die Arme darum, so kauerte sie eine kleine Weile, dann blickte sie auf mit Augen wie ein Kobold, der sich eines gelungenen Streiches freut, und sagte: „Jetzt schmeckt’s besser.“
Der Bauer stieß ein paar kurze Laute aus, die er gerne als das Lachen eines Unbefangenen an den Mann gebracht hätte, als er aber Leni vor Verlegenheit bis unter die Haarwurzeln erröten sah, blickte er so wild um sich, daß allen das Lachen verging bis auf Traudel, die Stalldirn’, die denn auch der Bauer anfaßte und zur Türe hinauswarf.
„Vermaledeiter Saufratz!“ schrie er und hob den Arm gegen Burgerl. Keines auf dem Gehöft erinnerte sich, ihn je so zornig gesehen zu haben. Erschreckt schlang Leni beide Arme um das Kind und riß es an sich.
Er ließ den Arm sinken und sprudelte stoßweiße heraus: „Dank’s der Len’! — Aber das laß dir g’sagt sein — nur einmal noch — nur einmal — in der Weis’ — spiel’ du vernünftigen und g’scheiten Leuten mit! — Nur einmal!“
Jene, die im kritischen Augenblicke den Löffel aus der Hand legen und Schürze oder Ärmel, unter dem plausiblen Vorwande des Mundabwischens, vor das Gesicht bringen konnten, schätzten sich sehr glücklich. Qualvoll gestaltete sich die Situation für die anderen, bei denen sich das Lachen und der Löffel Suppe auf dem Wege nach hinauf und hinunter trafen; die Armen spannten die Backen, als ob sie Posaune bliesen, und die Augen quollen ihnen aus den Höhlen, als sie aber merkten, daß, vermutlich der lustigen Gesellschaft halber, die Sauermilchsuppe kehrt machte und nun vor dem Lachen einherlief, und um nur ja rechtzeitig dabei zu sein, den kleinen Umweg durch die Nase nicht scheute, da fuhren sie verzweifelt von ihren Sitzen empor und stürzten sich in die Stubenecke und begannen dort auf das erbarmungswürdigste zu pfeifen und zu husten. Ihr Elend kam den andern Knechten und Mägden sehr erwünscht und bald war jeder Luftschnappende von zwei oder drei Helfern umgeben, die ihm den Rücken abklopften, wobei freilich auch Püffe unterliefen, mit denen mancher sich, aber nicht dem Bedrängten Luft machte; dazu lachten sie wie närrisch, „daß sich der Naz’, die Cenz’, der Michl, die Gundl — na, aber so — hat verkutzen können!“
Ärgerlich wandte sich der Bauer ab und ging hinweg.
Leute, deren guten Rat und wohlmeinende Mahnung man kurzweg von der Hand weist, fühlen sich in der Regel beleidigt und Heiner und Sepherl waren keine Ausnahmen. Wenn von nun ab der Bauer, um Heiners Meinung oder Zustimmung einzuholen, fragte, wie etwas recht zu machen sei, oder ob es recht gemacht wäre, so beteuerte der Knecht in erheuchelter Bescheidenheit: er wisse es nicht zu sagen, denn er sei lang nit so vernünftig — wie andere! Und wenn Magdalene in gleicher Absicht sich an Sepherl wandte, so wies die Alte in hinterhältiger Demut jede Frage von sich, denn sie habe nicht die Gescheitheit mit Löffeln gegessen — wie andere!