Ihm kann nichts an!
Burgerl faßte alles Zutrauen zu dem stillen Manne. Vermöchte er den Mund aufzutun, er hätte keine Schrecken auszusagen, so ruhig sah das bleiche Angesicht, so friedlich.
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Mit dem Köpfchen auf den über der Stuhllehne gekreuzten Armen ruhend, saß das junge Mädchen lange in dem Anblicke des Toten versunken.
Sie wandte sich erst ab, als Tritte, die auf der Treppe hörbar wurden, Sepherl aus dem Schlafe schreckten. Etliche vom Gesinde, das von der Arbeit heimgekehrt war, kamen herauf, um die Totenwache mitzuhalten. Sie begannen zu beten und mehrstimmig Lieder zu singen. Die meisten der Sänge waren den religiösen Anschauungen angepaßt, doch kam auch manchmal ein Lied an die Reihe, das von der Ergebung in Gottes Ratschluß und der Verheißung des ewigen Lebens absah und in ungefügen Worten, aber desto ergreifender, die Hinfälligkeit des Menschen und die Vergänglichkeit alles Irdischen beklagte. Es waren das auch Trostlieder in ihrer Art, denn der Ausblick auf das unabwendbare, allgemeine Verderben stumpft den Schmerz über den einzelnen Fall. Wechselnd klangen die schwermütigen Weisen in die stille Nacht hinaus.
Früh, im Morgengrauen, rasselte ein Wagen in den Hof. Heiner war zurückgekehrt. Als der Doktor, geleitet von dem ernstblickenden Bauer und der weinenden Bäuerin, in die Stube trat, schlüpfte Burgerl hinaus.
Es trieb sie ins Freie.
Als sie die Treppe hinunterstieg, trat sie kräftig auf und schwenkte die Arme; da ihr gestern, wo sie der erste Schreck fast sinnlos machte, weder Hand noch Fuß versagte, achtete sie sich des Siechtums ledig und frommen Glaubens sah sie darin die Vergeltung für ihr treues Ausharren bei dem Sterbenden und dem stillen Toten.
Leicht erschauernd in dem kühlen Winde, der mit vergilbten Blättern sein Spiel trieb, trat sie hinaus in den frischen Herbstmorgen, heil und kein Kind mehr!